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Das flexible Interview

Das flexible, klinische oder diagnostische Interview?

Die qualitative Methode wurde von Jean Piaget und seinen Mitarbeiter:innen entwickelt, um die Entwicklung von Erkennen und Verstehen zu erforschen. Piaget bezeichnete die Methode „méthode d’exploration critique“ (vgl. Inhelder, Sinclair & Bovet, 1974, S. 35; Duckworth, 2004). Mit der Betonung der kritischen Exploration öffnet das flexible Interview den Unterricht für alle. Es unterstützt die Prozess- und die Handlungsorientierung beim Aufbau von Wissen, von Methodenkompetenzen und der Bildung des Denkens. Es befähigt die Lehrpersonen, die Welterfahrung und die Denkwege der Kinder und Jugendlichen zu explorieren und in den Unterricht zu integrieren.

Im englischen Sprachraum wird das flexible Interview auch als clinical interview (Clement, 2000) bezeichnet. Weiter wird der Begriff task-based interview bzw. clinical task-based interview verwendet, besonders in der Mathematikdidaktik und in Forschungssettings, in denen das Gespräch an konkrete Aufgaben gebunden ist (Maher & Sigley, 2020).

Im Deutschen sind Bezeichnungen wie klinisches Interview, diagnostisches Interview oder diagnostisches Gespräch gebräuchlicher. So spricht etwa das DZLM/PIKAS von „Diagnosegesprächen“, die auf das „klinische Interview nach Piaget“ zurückgehen.

Das flexible Interview kann als eine spezifische Form diagnostischer Gespräche verstanden werden, die sich durch eine qualitative, explorative und prozessorientierte Vorgehensweise auszeichnet. Im vorliegenden Kontext wird das flexible Interview in diesem Sinne definiert und bewusst vom allgemeineren Begriff des diagnostischen Gesprächs abgegrenzt.

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Das flexible Interview Copyright © Stefan L. Meyer und Priska Hagmann-von Arx. Alle Rechte vorbehalten.