{"id":145,"date":"2023-08-20T15:38:42","date_gmt":"2023-08-20T13:38:42","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/infopointlrs\/?post_type=chapter&#038;p=145"},"modified":"2024-08-28T16:25:12","modified_gmt":"2024-08-28T14:25:12","slug":"morphematische-bewusstheit","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/infopointlrs\/chapter\/morphematische-bewusstheit\/","title":{"raw":"1. Die Rolle der morphologischen Bewusstheit fu\u0308r den fru\u0308hen Schriftspracherwerb","rendered":"1. Die Rolle der morphologischen Bewusstheit fu\u0308r den fru\u0308hen Schriftspracherwerb"},"content":{"raw":"Beeinflussen grammatikalische Leistungen von Kindern im Vorschulalter deren sp\u00e4teren Schriftspracherwerb? Forschungsarbeiten zu den Pr\u00e4diktoren des Schriftspracherwerbs setzten sich bisher intensiv mit den Faktoren der phonologischen Informationsverarbeitung (phonologische Bewusstheit, phonologisches Arbeitsged\u00e4chtnis und Benennungsgeschwindigkeit) auseinander und die Ergebnisse belegen, dass diese Faktoren mit der Schriftsprachentwicklung eng in Beziehung stehen. Inwiefern jedoch fr\u00fche Leistungen der morphologischen Bewusstheit (MB) sp\u00e4tere schriftsprachliche Leistungen vorhersagen k\u00f6nnen, dar\u00fcber ist im deutschsprachigen Raum insgesamt noch wenig bekannt. Die Morphologische Bewusstheit wird verstanden als die F\u00e4higkeit, Morpheme zu erkennen und mit ihnen umzugehen (sie zu analysieren und zu manipulieren) (vgl. Carlisle, 1995).\r\n\r\nDie L\u00e4ngsschnittstudie von Ewald und Steinbrink (2023) soll den Zusammenhang zwischen morphologischer Bewusstheit sowie schriftsprachlichen Leistungen bei Kindern mit deutscher Muttersprache beleuchten. Unter Ber\u00fccksichtigung der Neuerungen des ICD-11, welche die Probleme in der Anwendung der korrekten Grammatik beim Schreiben als ein Symptom einer isolierten Rechtschreibst\u00f6rung betrachtet, wurden bei Kindern zwischen f\u00fcnf und sieben Jahren vor Schuleintritt die produktive und rezeptive MB anhand der drei Facetten Flexion, Derivation sowie Komposition erhoben und mit schriftsprachlichen Leistungen am Ende der ersten Klasse in Beziehung gesetzt. In den Jahren 2020 und 2021 wurden insgesamt 79 Kinder, welche einsprachig mit Deutsch als Muttersprache aufgewachsen sind, getestet. Bei den ausgew\u00e4hlten Kindern lag zu Beginn der Studienzeit keinerlei Einschr\u00e4nkung im Sprach-, Seh- und H\u00f6rverm\u00f6gen, wie auch keine diagnostizierte Sprachst\u00f6rung vor. Die Aufgaben zur Erfassung der MB wurden entweder aus Untertests von bereits vorhandenen Diagnoseinstrumenten verwendet oder eine Fassung aus englischen Testinstrumenten entwickelt wie auch bei bereits eingesetzten Aufgaben zur Wortbildung (Komposition) der Schwierigkeitsgrad f\u00fcr die vorliegende Stichprobe erh\u00f6ht. Alle Aufgaben wurden vorg\u00e4ngig in einer Pilotstudie mit Kindergartenkindern des letzten Kindergartenjahrs erprobt.\r\n\r\nAus der Untersuchung geht hervor, dass das Leseverst\u00e4ndnis und die Rechtschreibleistung am Ende der ersten Klasse durch verschiedene Aspekte der vor Schuleintritt gemessenen MB vorhergesagt werden k\u00f6nnen. Die Studienergebnisse zeigen deutlich, dass insbesondere Buchstabenwissen, aber auch Benennungsgeschwindigkeit und die phonologische Bewusstheit im engeren Sinn signifikant mit allen Lese-Rechtschreibschwierigkeiten korrelieren. Die vorliegende Studie ist die erste im deutschsprachigen Raum, welche belegt, dass schriftsprachliche Leistungen durch die produktive MB im Bereich Wortbildung (Derivation und Komposition) im Vorschulalter vorhergesagt werden k\u00f6nnen. Deshalb, so die Autor:innen, sollten zuk\u00fcnftige Studien ebenfalls die Rolle der produktiven Wortbildung f\u00fcr sp\u00e4tere Lese-Rechtschreibleistungen fokussieren. Um ein umfassenderes Bild zu erhalten, w\u00e4ren l\u00e4ngsschnittliche Untersuchungen bis mindestens zum Ende der Grundschulzeit notwendig, da die Bedeutung der MB im Laufe des Schriftspracherwerbs wahrscheinlich zunimmt.\r\n\r\nDie noch ausstehenden Studienergebnisse zur Vorhersage schriftsprachlicher Leistungen am Ende der zweiten Klasse durch sprachbezogene Leistungen vor Schuleintritt d\u00fcrften zeigen, ob und wie sich das vorliegende Ergebnismuster mit steigender Lese-Rechtschreiberfahrung der teilnehmenden Kinder ver\u00e4ndert. Die bisher gewonnenen Erkenntnisse k\u00f6nnten aber potenziell zu neuen Ans\u00e4tzen in der Fr\u00fchdiagnostik sowie F\u00f6rderung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten f\u00fchren und Impulse f\u00fcr die Entwicklung von F\u00f6rderprogrammen zur Pr\u00e4vention von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten liefern.\r\n\r\nQuelle: Ewald und Steinbrink (2023).....\r\n\r\nZusammengefasst von Gisela B\u00fchler","rendered":"<p>Beeinflussen grammatikalische Leistungen von Kindern im Vorschulalter deren sp\u00e4teren Schriftspracherwerb? Forschungsarbeiten zu den Pr\u00e4diktoren des Schriftspracherwerbs setzten sich bisher intensiv mit den Faktoren der phonologischen Informationsverarbeitung (phonologische Bewusstheit, phonologisches Arbeitsged\u00e4chtnis und Benennungsgeschwindigkeit) auseinander und die Ergebnisse belegen, dass diese Faktoren mit der Schriftsprachentwicklung eng in Beziehung stehen. Inwiefern jedoch fr\u00fche Leistungen der morphologischen Bewusstheit (MB) sp\u00e4tere schriftsprachliche Leistungen vorhersagen k\u00f6nnen, dar\u00fcber ist im deutschsprachigen Raum insgesamt noch wenig bekannt. Die Morphologische Bewusstheit wird verstanden als die F\u00e4higkeit, Morpheme zu erkennen und mit ihnen umzugehen (sie zu analysieren und zu manipulieren) (vgl. Carlisle, 1995).<\/p>\n<p>Die L\u00e4ngsschnittstudie von Ewald und Steinbrink (2023) soll den Zusammenhang zwischen morphologischer Bewusstheit sowie schriftsprachlichen Leistungen bei Kindern mit deutscher Muttersprache beleuchten. Unter Ber\u00fccksichtigung der Neuerungen des ICD-11, welche die Probleme in der Anwendung der korrekten Grammatik beim Schreiben als ein Symptom einer isolierten Rechtschreibst\u00f6rung betrachtet, wurden bei Kindern zwischen f\u00fcnf und sieben Jahren vor Schuleintritt die produktive und rezeptive MB anhand der drei Facetten Flexion, Derivation sowie Komposition erhoben und mit schriftsprachlichen Leistungen am Ende der ersten Klasse in Beziehung gesetzt. In den Jahren 2020 und 2021 wurden insgesamt 79 Kinder, welche einsprachig mit Deutsch als Muttersprache aufgewachsen sind, getestet. Bei den ausgew\u00e4hlten Kindern lag zu Beginn der Studienzeit keinerlei Einschr\u00e4nkung im Sprach-, Seh- und H\u00f6rverm\u00f6gen, wie auch keine diagnostizierte Sprachst\u00f6rung vor. Die Aufgaben zur Erfassung der MB wurden entweder aus Untertests von bereits vorhandenen Diagnoseinstrumenten verwendet oder eine Fassung aus englischen Testinstrumenten entwickelt wie auch bei bereits eingesetzten Aufgaben zur Wortbildung (Komposition) der Schwierigkeitsgrad f\u00fcr die vorliegende Stichprobe erh\u00f6ht. Alle Aufgaben wurden vorg\u00e4ngig in einer Pilotstudie mit Kindergartenkindern des letzten Kindergartenjahrs erprobt.<\/p>\n<p>Aus der Untersuchung geht hervor, dass das Leseverst\u00e4ndnis und die Rechtschreibleistung am Ende der ersten Klasse durch verschiedene Aspekte der vor Schuleintritt gemessenen MB vorhergesagt werden k\u00f6nnen. Die Studienergebnisse zeigen deutlich, dass insbesondere Buchstabenwissen, aber auch Benennungsgeschwindigkeit und die phonologische Bewusstheit im engeren Sinn signifikant mit allen Lese-Rechtschreibschwierigkeiten korrelieren. Die vorliegende Studie ist die erste im deutschsprachigen Raum, welche belegt, dass schriftsprachliche Leistungen durch die produktive MB im Bereich Wortbildung (Derivation und Komposition) im Vorschulalter vorhergesagt werden k\u00f6nnen. Deshalb, so die Autor:innen, sollten zuk\u00fcnftige Studien ebenfalls die Rolle der produktiven Wortbildung f\u00fcr sp\u00e4tere Lese-Rechtschreibleistungen fokussieren. Um ein umfassenderes Bild zu erhalten, w\u00e4ren l\u00e4ngsschnittliche Untersuchungen bis mindestens zum Ende der Grundschulzeit notwendig, da die Bedeutung der MB im Laufe des Schriftspracherwerbs wahrscheinlich zunimmt.<\/p>\n<p>Die noch ausstehenden Studienergebnisse zur Vorhersage schriftsprachlicher Leistungen am Ende der zweiten Klasse durch sprachbezogene Leistungen vor Schuleintritt d\u00fcrften zeigen, ob und wie sich das vorliegende Ergebnismuster mit steigender Lese-Rechtschreiberfahrung der teilnehmenden Kinder ver\u00e4ndert. Die bisher gewonnenen Erkenntnisse k\u00f6nnten aber potenziell zu neuen Ans\u00e4tzen in der Fr\u00fchdiagnostik sowie F\u00f6rderung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten f\u00fchren und Impulse f\u00fcr die Entwicklung von F\u00f6rderprogrammen zur Pr\u00e4vention von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten liefern.<\/p>\n<p>Quelle: Ewald und Steinbrink (2023)&#8230;..<\/p>\n<p>Zusammengefasst von Gisela B\u00fchler<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beeinflussen grammatikalische Leistungen von Kindern im Vorschulalter deren sp\u00e4teren Schriftspracherwerb? Forschungsarbeiten zu den Pr\u00e4diktoren des Schriftspracherwerbs setzten sich bisher intensiv mit den Faktoren der phonologischen Informationsverarbeitung (phonologische Bewusstheit, phonologisches Arbeitsged\u00e4chtnis und Benennungsgeschwindigkeit) auseinander und die Ergebnisse belegen, dass diese Faktoren mit der Schriftsprachentwicklung eng in Beziehung stehen. 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