{"id":46,"date":"2021-04-21T15:05:49","date_gmt":"2021-04-21T13:05:49","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/forschungsbericht-2021\/?post_type=front-matter&#038;p=46"},"modified":"2021-05-28T13:28:04","modified_gmt":"2021-05-28T11:28:04","slug":"vorwort-des-herausgebers","status":"publish","type":"front-matter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/forschungsbericht-2021\/front-matter\/vorwort-des-herausgebers\/","title":{"raw":"Vorwort des Herausgebers","rendered":"Vorwort des Herausgebers"},"content":{"raw":"Stellen Sie sich vor, wir befinden uns zwanzig Jahre in der Zukunft: im Jahr 2041. Bildung f\u00fcr Alle ist noch immer eine Vision. Die Schweizer Gesellschaft braucht nach wie vor dringend qualifizierte Fachkr\u00e4fte in der Heil- und Sonderp\u00e4dagogik. Klassenlehrpersonen haben sich zwar F\u00e4higkeiten angeeignet Kinder mit Lernschwierigkeiten am Unterricht teilhabenzulassen, aber k\u00f6nnen die individuellen Bed\u00fcrfnisse und F\u00e4higkeiten immer noch nicht zufriedenstellend erf\u00fcllen. Heilp\u00e4dagog*innen setzen sich f\u00fcr Kinder ein, die mit Verhaltensschwierigkeiten und mentalen Problemen sowie mit schweren Beeintr\u00e4chtigungen zu k\u00e4mpfen haben, aber das spezialisierte Wissen \u00fcber die Beeintr\u00e4chtigungen und die p\u00e4dagogischen Massnahmen sind verloren gegangen. Betroffene Kinder und Familien f\u00fchlen sich oft ausgeschlossen, missverstanden und mangelhaft unterst\u00fctzt. Und wir fragen uns: Wie konnte das passieren?\r\n\r\nDann schauen wir zur\u00fcck und finden in einem alten digitalen Archiv der HfH einen Forschungsbericht. Wir lesen und verstehen, dass sich die Forschung und Entwicklung in der Heil- und Sonderp\u00e4dagogik in den ersten zwanzig Jahren seit Gr\u00fcndung der HfH stark entwickelt hat. Die junge Forschungsdisziplin der heil- und sonderp\u00e4dagogischen Forschung etablierte sich und \u00e4nderte sich mit dem Wandel der Gesellschaft und des Bildungssystems. Wir lesen, dass bew\u00e4hrtes und gelehrtes Wissen nicht ausreichte, um die Anforderungen der Forschung und Praxis gerecht zu werden. Wir lernen, dass sich der Fortschritt in der heil- und sonderp\u00e4dagogischen Forschung im Selbstverst\u00e4ndnis der HfH und ihrer Mitarbeitenden abbildet.\r\n\r\nWenn wir die Forschung im Bereich der Heil- und Sonderp\u00e4dagogik aus heutiger Sicht betrachten, sehen wir, dass die HfH im Vergleich mit anderen p\u00e4dagogischen Hochschulen eine besondere Stellung einnimmt. So zeigt sich, dass jedes zweite Forschungsprojekt, dass sich mit heil- und sonderp\u00e4dagogischen Themen besch\u00e4ftigt, an der HfH durchgef\u00fchrt wird. Zudem konzentriert sich die Forschung und Entwicklung der HfH auf spezifische Behinderungen wie H\u00f6r-, Motorik- und Sehbehinderungen oder Autismus. Das sind Schwerpunkte, die an anderen p\u00e4dagogischen Hochschulen fast nicht vorhanden sind. Die Forschung an der HfH fokussiert nicht nur auf Kinder im Schulalter \u2013 wie es die anderen p\u00e4dagogischen Hochschulen tun \u2013, sondern reicht von der heilp\u00e4dagogischen Fr\u00fcherziehung bis zum \u00dcbergang von der Schule in den Beruf. Das Recht auf Bildung wird als ein Recht einer Person gesehen \u2013 und zwar nicht nur im Schulalter. Die Bachelor- und Masterstudieng\u00e4nge Logop\u00e4die, Psychomotoriktherapie, Geb\u00e4rdensprachdolmetschen und heilp\u00e4dagogische Fr\u00fcherziehung pr\u00e4gen den Forschungsschwerpunkt an der HfH weiter. Wir sehen, dass die Forschenden sich um wissenschaftlich fundierte L\u00f6sungen innerhalb ihrer professionellen Fachbereiche bem\u00fchen \u2013 sie sind in der Ausbildung und Praxis verankert.\r\n\r\nSeit dem letzten Forschungsbericht der HfH sind vier Jahre vergangen. Seither hat sich die HfH stark ver\u00e4ndert: Es wurden f\u00fcnf neue Institute gegr\u00fcndet, die von wissenschaftlichen und administrativen Unterst\u00fctzungseinheiten getragen werden. Aber auch auf pers\u00f6nlicher Ebene gab es Ver\u00e4nderungen, darunter das Ableben unseres Kollegen und Leiters des <em>Zentrums Forschung und Entwicklung<\/em> der HfH, Martin Venetz. Dieser Bericht soll einen Blick auf die letzten vier Jahre Forschung an der HfH werfen \u2013 dies exemplarisch anhand einiger substanzieller Forschungsleistungen in dieser Zeit.\r\n\r\nDas erste Kapitel der vorliegenden Publikation ist Martin Venetz gewidmet. Carmen Zurbriggen, seine Lebens- und Forschungspartnerin, w\u00fcrdigt darin seine wissenschaftlichen Leistungen und ihn als Menschen. Im ersten Teil des Berichts befassen sich f\u00fcnf Beitr\u00e4ge mit der Forschung zur inklusiven Bildung und zur Bildung f\u00fcr Alle. Eine Methode sticht dabei besonders hervor: das Mixed-Methods-Design. Mixed-Methods-Designs nutzen quantitative Daten (z.\u00a0B. Beobachtungen oder Frageb\u00f6gen) in Kombination mit vertiefenden qualitativen Informationen (z.\u00a0B. Interviews), was die Erarbeitung von Empfehlungen und die Entwicklung von Unterst\u00fctzungsmaterialien verbessern kann. Das sind die f\u00fcnf Beitr\u00e4ge des ersten Teils:\r\n<div id=\"struktur-des-buches\" class=\"section level2 unnumbered\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Kapitel 2: Der Beitrag \u00abInklusive Bildung und die Steuerung heilp\u00e4dagogischer Angebote\u00bb gibt eine \u00dcbersicht \u00fcber die Steuerungsmechanismen f\u00fcr heilp\u00e4dagogische Angebote durch Politik und Verwaltung.<\/li>\r\n \t<li>Kapitel 3: Der Beitrag \u00abInklusion in der Kindertagesst\u00e4tte: Eine Mixed-Method-Studie zu Einstellungen und Selbstwirksamkeit von Betreuenden\u00bb zeigt, dass inklusive \u00dcberzeugungen von Mitarbeitenden in Kindertagesst\u00e4tten zwar hoch sind, die Selbstwirksamkeit f\u00fcr die Inklusion von Kindern mit hohem F\u00f6rderbedarf jedoch noch gering ist.<\/li>\r\n \t<li>Kapitel 4: Der Beitrag \u00abWas und wie gut misst der <em>Perceptions of Inclusion Questionnaire<\/em>? Qualit\u00e4t, Spezifit\u00e4t und (Weiter-)Entwicklung\u00bb ist eine \u00dcbersichtsarbeit \u00fcber die Entwicklung und Validierung eines Instruments zur subjektiven Messung von Inklusion in Schulen.<\/li>\r\n \t<li>Kapitel 5: Der Beitrag \u00abUnterrichtsinteraktionen als Schl\u00fcssel zur Gestaltung integrativen Unterrichts: Die Konzeption der Interventionsstudie SURE\u00bb ist eine Studie, die \u00fcberpr\u00fcft, wie ein gemeinsames Training von Klassenlehrpersonen und schulischen Heilp\u00e4dagog*innen die Qualit\u00e4t der inklusiven Unterrichtsinteraktionen verbessert.<\/li>\r\n \t<li>Kapitel 6: Der Beitrag \u00abLernen mit Beeintr\u00e4chtigung in der nachobligatorischen Schulzeit: Herausforderungen und Gelingensbedingungen\u00bb zeigt, wie Wohlbefinden und Schwierigkeiten in der Anforderungsbew\u00e4ltigung in Schule und Betrieb von der Art der Beeintr\u00e4chtigung von jungen Erwachsenen abh\u00e4ngt.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\nDer zweite Teil des Berichts thematisiert Fragen dar\u00fcber, wie Entwicklungsverl\u00e4ufe von Menschen mit Beeintr\u00e4chtigung positiv beeinflusst werden k\u00f6nnen. Diese Art von Fragestellung verlangt nach L\u00e4ngsschnittdesigns, damit aus quantitativen Daten kausale Schl\u00fcsse gezogen werden k\u00f6nnen. In drei Beitr\u00e4gen werden diese Themen exemplarisch dargestellt:\r\n<ul>\r\n \t<li>Kapitel 7: Der Beitrag \u00abDie longitudinale Studie ZEPPELIN \u2013 F\u00f6rderung ab Geburt von Kindern aus belasteten Familien\u00bb pr\u00e4sentiert Daten aus einer randomisierten kontrollierten Studie, inwiefern sich eine Intervention in belasteten Familien ab Geburt auf die Kinder langfristig auswirken.<\/li>\r\n \t<li>Kapitel 8: Der Beitrag \u00abBeruflich erfolgreich unterwegs dank niederschwelligen zweij\u00e4hrigen Ausbildungsgef\u00e4ssen? Endergebnisse aus einer l\u00e4ngsschnittlichen Befragung von Lernenden\u00bb berichtet \u00fcber die M\u00f6glichkeiten und Herausforderungen am \u00dcbergang in den Arbeitsmarkt von jungen Erwachsenen, die eine Grundausbildung mit eidgen\u00f6ssischem Berufsattest (EBA) oder eine praktische Ausbildung nach INSOS (PrA) gemacht haben.<\/li>\r\n \t<li>Kapitel 9: Der Beitrag \u00abRisikofaktoren bei Jugendlichen und ihre Auswirkungen auf den Berufserfolg. Ein L\u00e4ngsschnitt \u00fcber 36 Jahre\u00bb untersucht Determinanten des beruflichen Erfolgs von Jugendlichen, die im Schulalter ein Risiko f\u00fcr einen niedrigen beruflichen Erfolg hatten.<\/li>\r\n<\/ul>\r\nSchliesslich zeigen zwei Beitr\u00e4ge, dass das Forschungsspektrum der HfH breit gef\u00e4chert, gleichzeitig themenspezifisch in der Behinderungsart sowie ressourcenorientiert und innovativ in den Methoden ist. Computertechnologien und partizipative Methoden bereichern das Spektrum der heil- und sonderp\u00e4dagogischen Forschung und stehen f\u00fcr eine hohe Qualit\u00e4t der Forschung und f\u00fcr Innovation innerhalb des Feldes:\r\n<ul>\r\n \t<li>Kapitel 10: Im Beitrag \u00ab\u00dcberpr\u00fcfen von Geb\u00e4rdensprachkompetenz mittels automatischer Geb\u00e4rdenspracherkennung\u00bb geht es um Technologien des maschinellen Lernens, genauer: um die Erkennung von Geb\u00e4rdensprache zur Unterst\u00fctzung des Geb\u00e4rdensprachelernens.<\/li>\r\n \t<li>Kapitel 11: Der Beitrag \u00abPartizipative Autismusforschung an der Interkantonalen Hochschule f\u00fcr Heilp\u00e4dagogik in Z\u00fcrich\u00bb beschreibt Prinzipien der partizipativen Forschung und diskutiert die partizipativen Methoden in drei aktuellen Projekten der Autismusforschung.<\/li>\r\n<\/ul>\r\nJetzt sind wir im Jahr 2021 und ich \u00fcberlasse es den Leser*innen zu sagen, ob die zuk\u00fcnftige heil- und sonderp\u00e4dagogische Forschung dazu beitragen kann, die Ziele der Bildung f\u00fcr Alle zu erreichen. Es gibt sicher Hoffnung, denn ich sehe den Geist und die Sorgfalt der Forscher*innen in diesen Projekten, und ich bin \u00fcberzeugt, dass die richtigen Fragen zur richtigen Zeit gestellt wurden. Aber ich denke auch, dass diese Projekte nur einen kleinen Schritt in die Richtung einer gr\u00f6sseren Vision sind. Es ist noch ein langer Weg, nicht nur f\u00fcr die Forschenden an der HfH, sondern f\u00fcr die heil- und sonderp\u00e4dagogische Forschung als Ganzes, bis die inklusive Bildung wirklich verstanden und erm\u00f6glicht wird, bis Chancengleichheit in der Bildung hergestellt ist. Deswegen m\u00fcssen wir auch in Zukunft die richtigen Fragen stellen und die n\u00f6tigen Innovationen vorantreiben.\r\n\r\nIch bedanke mich herzlich f\u00fcr die grossartige Arbeit der Autorinnen und Autoren. Besonders danke ich Carmen Zurbriggen, Alumna der HfH und Professorin an der Universit\u00e4t Luxemburg. Sie hat mit einem pers\u00f6nlichen Beitrag zu Martin Venetz und einem wissenschaftlichen Artikel zur PIQ substanzielle Beitr\u00e4ge zu dieser Publikation beigesteuert. Ich bedanke mich bei Sabine H\u00fcttche, Isabelle Laugery und Tabea Ruf von der Hochschulkommunikation f\u00fcr die Unterst\u00fctzung bei den Grafiken und dem Webdesign. Sarah Fr\u00e9d\u00e9rickx und Arlena Frey vom <em>Digital Learning Center<\/em> haben es im letzten Moment erm\u00f6glicht, den Bericht auf digital.hfh.ch zu ver\u00f6ffentlichen. Ich bedanke mich bei \u00d6mer Even und Chantal Deuss f\u00fcr ihre n\u00fctzlichen Tipps und bei der Pentaprim GmbH f\u00fcr das Korrigieren der Beitr\u00e4ge. Herzlich danke ich Dr. David von Allmen, der mich bei den Analysen und technischen Herausforderungen unterst\u00fctzt und als kritischer Partner diese Publikation mitentwickelt hat. Und schliesslich geht mein Dank an die HfH-Rektorin Barbara F\u00e4h, die mit dem Auftrag zur Erstellung dieses Forschungsberichts diesen erst erm\u00f6glicht hat.\r\n\r\nIch w\u00fcnsche eine inspirierende Lekt\u00fcre und Anregungen f\u00fcr Diskussion!","rendered":"<p>Stellen Sie sich vor, wir befinden uns zwanzig Jahre in der Zukunft: im Jahr 2041. Bildung f\u00fcr Alle ist noch immer eine Vision. Die Schweizer Gesellschaft braucht nach wie vor dringend qualifizierte Fachkr\u00e4fte in der Heil- und Sonderp\u00e4dagogik. Klassenlehrpersonen haben sich zwar F\u00e4higkeiten angeeignet Kinder mit Lernschwierigkeiten am Unterricht teilhabenzulassen, aber k\u00f6nnen die individuellen Bed\u00fcrfnisse und F\u00e4higkeiten immer noch nicht zufriedenstellend erf\u00fcllen. Heilp\u00e4dagog*innen setzen sich f\u00fcr Kinder ein, die mit Verhaltensschwierigkeiten und mentalen Problemen sowie mit schweren Beeintr\u00e4chtigungen zu k\u00e4mpfen haben, aber das spezialisierte Wissen \u00fcber die Beeintr\u00e4chtigungen und die p\u00e4dagogischen Massnahmen sind verloren gegangen. Betroffene Kinder und Familien f\u00fchlen sich oft ausgeschlossen, missverstanden und mangelhaft unterst\u00fctzt. Und wir fragen uns: Wie konnte das passieren?<\/p>\n<p>Dann schauen wir zur\u00fcck und finden in einem alten digitalen Archiv der HfH einen Forschungsbericht. Wir lesen und verstehen, dass sich die Forschung und Entwicklung in der Heil- und Sonderp\u00e4dagogik in den ersten zwanzig Jahren seit Gr\u00fcndung der HfH stark entwickelt hat. Die junge Forschungsdisziplin der heil- und sonderp\u00e4dagogischen Forschung etablierte sich und \u00e4nderte sich mit dem Wandel der Gesellschaft und des Bildungssystems. Wir lesen, dass bew\u00e4hrtes und gelehrtes Wissen nicht ausreichte, um die Anforderungen der Forschung und Praxis gerecht zu werden. Wir lernen, dass sich der Fortschritt in der heil- und sonderp\u00e4dagogischen Forschung im Selbstverst\u00e4ndnis der HfH und ihrer Mitarbeitenden abbildet.<\/p>\n<p>Wenn wir die Forschung im Bereich der Heil- und Sonderp\u00e4dagogik aus heutiger Sicht betrachten, sehen wir, dass die HfH im Vergleich mit anderen p\u00e4dagogischen Hochschulen eine besondere Stellung einnimmt. So zeigt sich, dass jedes zweite Forschungsprojekt, dass sich mit heil- und sonderp\u00e4dagogischen Themen besch\u00e4ftigt, an der HfH durchgef\u00fchrt wird. Zudem konzentriert sich die Forschung und Entwicklung der HfH auf spezifische Behinderungen wie H\u00f6r-, Motorik- und Sehbehinderungen oder Autismus. Das sind Schwerpunkte, die an anderen p\u00e4dagogischen Hochschulen fast nicht vorhanden sind. Die Forschung an der HfH fokussiert nicht nur auf Kinder im Schulalter \u2013 wie es die anderen p\u00e4dagogischen Hochschulen tun \u2013, sondern reicht von der heilp\u00e4dagogischen Fr\u00fcherziehung bis zum \u00dcbergang von der Schule in den Beruf. Das Recht auf Bildung wird als ein Recht einer Person gesehen \u2013 und zwar nicht nur im Schulalter. Die Bachelor- und Masterstudieng\u00e4nge Logop\u00e4die, Psychomotoriktherapie, Geb\u00e4rdensprachdolmetschen und heilp\u00e4dagogische Fr\u00fcherziehung pr\u00e4gen den Forschungsschwerpunkt an der HfH weiter. Wir sehen, dass die Forschenden sich um wissenschaftlich fundierte L\u00f6sungen innerhalb ihrer professionellen Fachbereiche bem\u00fchen \u2013 sie sind in der Ausbildung und Praxis verankert.<\/p>\n<p>Seit dem letzten Forschungsbericht der HfH sind vier Jahre vergangen. Seither hat sich die HfH stark ver\u00e4ndert: Es wurden f\u00fcnf neue Institute gegr\u00fcndet, die von wissenschaftlichen und administrativen Unterst\u00fctzungseinheiten getragen werden. Aber auch auf pers\u00f6nlicher Ebene gab es Ver\u00e4nderungen, darunter das Ableben unseres Kollegen und Leiters des <em>Zentrums Forschung und Entwicklung<\/em> der HfH, Martin Venetz. Dieser Bericht soll einen Blick auf die letzten vier Jahre Forschung an der HfH werfen \u2013 dies exemplarisch anhand einiger substanzieller Forschungsleistungen in dieser Zeit.<\/p>\n<p>Das erste Kapitel der vorliegenden Publikation ist Martin Venetz gewidmet. Carmen Zurbriggen, seine Lebens- und Forschungspartnerin, w\u00fcrdigt darin seine wissenschaftlichen Leistungen und ihn als Menschen. Im ersten Teil des Berichts befassen sich f\u00fcnf Beitr\u00e4ge mit der Forschung zur inklusiven Bildung und zur Bildung f\u00fcr Alle. Eine Methode sticht dabei besonders hervor: das Mixed-Methods-Design. Mixed-Methods-Designs nutzen quantitative Daten (z.\u00a0B. Beobachtungen oder Frageb\u00f6gen) in Kombination mit vertiefenden qualitativen Informationen (z.\u00a0B. Interviews), was die Erarbeitung von Empfehlungen und die Entwicklung von Unterst\u00fctzungsmaterialien verbessern kann. Das sind die f\u00fcnf Beitr\u00e4ge des ersten Teils:<\/p>\n<div id=\"struktur-des-buches\" class=\"section level2 unnumbered\">\n<ul>\n<li>Kapitel 2: Der Beitrag \u00abInklusive Bildung und die Steuerung heilp\u00e4dagogischer Angebote\u00bb gibt eine \u00dcbersicht \u00fcber die Steuerungsmechanismen f\u00fcr heilp\u00e4dagogische Angebote durch Politik und Verwaltung.<\/li>\n<li>Kapitel 3: Der Beitrag \u00abInklusion in der Kindertagesst\u00e4tte: Eine Mixed-Method-Studie zu Einstellungen und Selbstwirksamkeit von Betreuenden\u00bb zeigt, dass inklusive \u00dcberzeugungen von Mitarbeitenden in Kindertagesst\u00e4tten zwar hoch sind, die Selbstwirksamkeit f\u00fcr die Inklusion von Kindern mit hohem F\u00f6rderbedarf jedoch noch gering ist.<\/li>\n<li>Kapitel 4: Der Beitrag \u00abWas und wie gut misst der <em>Perceptions of Inclusion Questionnaire<\/em>? Qualit\u00e4t, Spezifit\u00e4t und (Weiter-)Entwicklung\u00bb ist eine \u00dcbersichtsarbeit \u00fcber die Entwicklung und Validierung eines Instruments zur subjektiven Messung von Inklusion in Schulen.<\/li>\n<li>Kapitel 5: Der Beitrag \u00abUnterrichtsinteraktionen als Schl\u00fcssel zur Gestaltung integrativen Unterrichts: Die Konzeption der Interventionsstudie SURE\u00bb ist eine Studie, die \u00fcberpr\u00fcft, wie ein gemeinsames Training von Klassenlehrpersonen und schulischen Heilp\u00e4dagog*innen die Qualit\u00e4t der inklusiven Unterrichtsinteraktionen verbessert.<\/li>\n<li>Kapitel 6: Der Beitrag \u00abLernen mit Beeintr\u00e4chtigung in der nachobligatorischen Schulzeit: Herausforderungen und Gelingensbedingungen\u00bb zeigt, wie Wohlbefinden und Schwierigkeiten in der Anforderungsbew\u00e4ltigung in Schule und Betrieb von der Art der Beeintr\u00e4chtigung von jungen Erwachsenen abh\u00e4ngt.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<p>Der zweite Teil des Berichts thematisiert Fragen dar\u00fcber, wie Entwicklungsverl\u00e4ufe von Menschen mit Beeintr\u00e4chtigung positiv beeinflusst werden k\u00f6nnen. Diese Art von Fragestellung verlangt nach L\u00e4ngsschnittdesigns, damit aus quantitativen Daten kausale Schl\u00fcsse gezogen werden k\u00f6nnen. In drei Beitr\u00e4gen werden diese Themen exemplarisch dargestellt:<\/p>\n<ul>\n<li>Kapitel 7: Der Beitrag \u00abDie longitudinale Studie ZEPPELIN \u2013 F\u00f6rderung ab Geburt von Kindern aus belasteten Familien\u00bb pr\u00e4sentiert Daten aus einer randomisierten kontrollierten Studie, inwiefern sich eine Intervention in belasteten Familien ab Geburt auf die Kinder langfristig auswirken.<\/li>\n<li>Kapitel 8: Der Beitrag \u00abBeruflich erfolgreich unterwegs dank niederschwelligen zweij\u00e4hrigen Ausbildungsgef\u00e4ssen? Endergebnisse aus einer l\u00e4ngsschnittlichen Befragung von Lernenden\u00bb berichtet \u00fcber die M\u00f6glichkeiten und Herausforderungen am \u00dcbergang in den Arbeitsmarkt von jungen Erwachsenen, die eine Grundausbildung mit eidgen\u00f6ssischem Berufsattest (EBA) oder eine praktische Ausbildung nach INSOS (PrA) gemacht haben.<\/li>\n<li>Kapitel 9: Der Beitrag \u00abRisikofaktoren bei Jugendlichen und ihre Auswirkungen auf den Berufserfolg. Ein L\u00e4ngsschnitt \u00fcber 36 Jahre\u00bb untersucht Determinanten des beruflichen Erfolgs von Jugendlichen, die im Schulalter ein Risiko f\u00fcr einen niedrigen beruflichen Erfolg hatten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Schliesslich zeigen zwei Beitr\u00e4ge, dass das Forschungsspektrum der HfH breit gef\u00e4chert, gleichzeitig themenspezifisch in der Behinderungsart sowie ressourcenorientiert und innovativ in den Methoden ist. Computertechnologien und partizipative Methoden bereichern das Spektrum der heil- und sonderp\u00e4dagogischen Forschung und stehen f\u00fcr eine hohe Qualit\u00e4t der Forschung und f\u00fcr Innovation innerhalb des Feldes:<\/p>\n<ul>\n<li>Kapitel 10: Im Beitrag \u00ab\u00dcberpr\u00fcfen von Geb\u00e4rdensprachkompetenz mittels automatischer Geb\u00e4rdenspracherkennung\u00bb geht es um Technologien des maschinellen Lernens, genauer: um die Erkennung von Geb\u00e4rdensprache zur Unterst\u00fctzung des Geb\u00e4rdensprachelernens.<\/li>\n<li>Kapitel 11: Der Beitrag \u00abPartizipative Autismusforschung an der Interkantonalen Hochschule f\u00fcr Heilp\u00e4dagogik in Z\u00fcrich\u00bb beschreibt Prinzipien der partizipativen Forschung und diskutiert die partizipativen Methoden in drei aktuellen Projekten der Autismusforschung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Jetzt sind wir im Jahr 2021 und ich \u00fcberlasse es den Leser*innen zu sagen, ob die zuk\u00fcnftige heil- und sonderp\u00e4dagogische Forschung dazu beitragen kann, die Ziele der Bildung f\u00fcr Alle zu erreichen. Es gibt sicher Hoffnung, denn ich sehe den Geist und die Sorgfalt der Forscher*innen in diesen Projekten, und ich bin \u00fcberzeugt, dass die richtigen Fragen zur richtigen Zeit gestellt wurden. Aber ich denke auch, dass diese Projekte nur einen kleinen Schritt in die Richtung einer gr\u00f6sseren Vision sind. Es ist noch ein langer Weg, nicht nur f\u00fcr die Forschenden an der HfH, sondern f\u00fcr die heil- und sonderp\u00e4dagogische Forschung als Ganzes, bis die inklusive Bildung wirklich verstanden und erm\u00f6glicht wird, bis Chancengleichheit in der Bildung hergestellt ist. Deswegen m\u00fcssen wir auch in Zukunft die richtigen Fragen stellen und die n\u00f6tigen Innovationen vorantreiben.<\/p>\n<p>Ich bedanke mich herzlich f\u00fcr die grossartige Arbeit der Autorinnen und Autoren. Besonders danke ich Carmen Zurbriggen, Alumna der HfH und Professorin an der Universit\u00e4t Luxemburg. Sie hat mit einem pers\u00f6nlichen Beitrag zu Martin Venetz und einem wissenschaftlichen Artikel zur PIQ substanzielle Beitr\u00e4ge zu dieser Publikation beigesteuert. Ich bedanke mich bei Sabine H\u00fcttche, Isabelle Laugery und Tabea Ruf von der Hochschulkommunikation f\u00fcr die Unterst\u00fctzung bei den Grafiken und dem Webdesign. Sarah Fr\u00e9d\u00e9rickx und Arlena Frey vom <em>Digital Learning Center<\/em> haben es im letzten Moment erm\u00f6glicht, den Bericht auf digital.hfh.ch zu ver\u00f6ffentlichen. Ich bedanke mich bei \u00d6mer Even und Chantal Deuss f\u00fcr ihre n\u00fctzlichen Tipps und bei der Pentaprim GmbH f\u00fcr das Korrigieren der Beitr\u00e4ge. Herzlich danke ich Dr. David von Allmen, der mich bei den Analysen und technischen Herausforderungen unterst\u00fctzt und als kritischer Partner diese Publikation mitentwickelt hat. Und schliesslich geht mein Dank an die HfH-Rektorin Barbara F\u00e4h, die mit dem Auftrag zur Erstellung dieses Forschungsberichts diesen erst erm\u00f6glicht hat.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche eine inspirierende Lekt\u00fcre und Anregungen f\u00fcr Diskussion!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellen Sie sich vor, wir befinden uns zwanzig Jahre in der Zukunft: im Jahr 2041. Bildung f\u00fcr Alle ist noch immer eine Vision. Die Schweizer Gesellschaft braucht nach wie vor dringend qualifizierte Fachkr\u00e4fte in der Heil- und Sonderp\u00e4dagogik. 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