{"id":78,"date":"2021-04-21T15:25:21","date_gmt":"2021-04-21T13:25:21","guid":{"rendered":"https:\/\/digital.hfh.ch\/forschungsbericht-2021\/?post_type=chapter&#038;p=78"},"modified":"2021-05-28T13:37:37","modified_gmt":"2021-05-28T11:37:37","slug":"11-partizipative-autismusforschung-an-der-hfh","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/digital.hfh.ch\/forschungsbericht-2021\/chapter\/11-partizipative-autismusforschung-an-der-hfh\/","title":{"raw":"11. Partizipative Autismusforschung an der Interkantonalen Hochschule f\u00fcr Heilp\u00e4dagogik in Z\u00fcrich","rendered":"11. Partizipative Autismusforschung an der Interkantonalen Hochschule f\u00fcr Heilp\u00e4dagogik in Z\u00fcrich"},"content":{"raw":"Partizipative Forschung als <em>Forschungsstil<\/em>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-bergold_thomas2010\">Bergold &amp; Thomas, 2010<\/a>)<\/span> hat in den letzten Jahren in den Sozialwissenschaften zunehmend an Bedeutung gewonnen. Sie folgt einer <em>doppelten Zielsetzung<\/em>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-vonunger2014\">von Unger, 2014<\/a>)<\/span>, in dem sie sowohl Erkenntnisse \u00fcber soziale Wirklichkeiten gewinnt als auch zu einer Ver\u00e4nderung von Handlungsoptionen beitragen m\u00f6chte. In der Heil- und Sonderp\u00e4dagogik hat sie eine Erweiterung um den Begriff der <em>Inklusiven Forschung<\/em>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-hauser2020\">Hauser, 2020<\/a>)<\/span> erfahren und orientiert sich verst\u00e4rkt an den Leitideen des <em>Empowerments<\/em> und der <em>Inklusion<\/em>. Im Themenfeld Autismus sind insbesondere im englischsprachigen Raum in den letzten Jahren erste partizipative Projekte entstanden. Dieser Beitrag f\u00fchrt zun\u00e4chst die Grundbegriffe partizipativer Forschung ein, skizziert den Transfer auf heil- und sonderp\u00e4dagogische Kontexte und wirft einen Blick auf den gegenw\u00e4rtigen Stand partizipativer Autismusforschung. Anhand dreier Projekte der Interkantonalen Hochschule f\u00fcr Heilp\u00e4dagogik (HfH) in Z\u00fcrich werden anschliessend aktuelle Wege partizipativer Autismusforschung beleuchtet und diskutiert.\r\n<div id=\"einleitung-7\" class=\"section level2 unnumbered\">\r\n<h2>Einleitung<\/h2>\r\nDie wachsende Mitwirkung von Menschen mit Autismus ist in den letzten zwei Jahrzehnten in verschiedenen Bereichen deutlich sichtbar geworden: die Sensibilisierung f\u00fcr ihre besonderen Lebenserfahrungen, Perspektiven und Bed\u00fcrfnisse sowie die (Weiter-)Entwicklung ad\u00e4quater Unterst\u00fctzungsangebote. Eine Vielzahl an Autobiografien, Erfahrungsberichten und Ratgebern aus der Sicht von <em>Expert*innen in eigener Sache<\/em> leistet gegenw\u00e4rtig einen wichtigen Beitrag sowohl zur Aufkl\u00e4rung interessierter Menschen als auch zur Wissens- und Kompetenzerweiterung von Fachpersonen.\r\n\r\nDar\u00fcber hinaus zeigt sich die aktive Mitwirkung von Selbstbetroffenen in der Entstehung von mehr Selbsthilfegruppen sowie in Gremien- und Kommissionst\u00e4tigkeiten auf institutioneller und politischer Ebene. Diese Entwicklung folgt der bereits seit l\u00e4ngerer Zeit pr\u00e4senten Mitwirkung von Angeh\u00f6rigen, insbesondere den Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Autismus, die mit ihrem pers\u00f6nlichen Engagement die Gr\u00fcndung von Interessensverb\u00e4nden sowie den Aufbau zahlreicher institutioneller Hilfen initiiert haben.\r\n\r\nIn der wissenschaftlichen Forschung nehmen Menschen mit Autismus demgegen\u00fcber weiterhin prim\u00e4r die Rolle der untersuchten Zielgruppe ein, d. h. des Forschungsobjektes. Studien zur Situation der Eltern oder der Geschwister von Kindern mit Autismus zeigen, dass dies auch f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen gilt. Wenngleich in der Sozialforschung vermehrt Wert daraufgelegt wird, die Sichtweisen der Betroffenen in den Erkenntnisgewinn einzubeziehen, beispielsweise mit dem Einsatz von schriftlichen oder m\u00fcndlichen Befragungen von Personen mit Autismus oder ihren Angeh\u00f6rigen, kommt dies den Grundgedanken einer partizipativen Forschung h\u00e4ufig nicht sehr nah.\r\n\r\nIm folgenden Beitrag werden zun\u00e4chst zentrale Begriffe, Komponenten und Qualit\u00e4tskriterien partizipativer Forschung skizziert und im Kontext der heil- und sonderp\u00e4dagogischen Forschung betrachtet. Anschliessend werden aktuelle Wege partizipativer Autismusforschung beleuchtet und anhand von Projekten der Interkantonalen Hochschule f\u00fcr Heilp\u00e4dagogik (HfH) konkretisiert und diskutiert.\r\n<div id=\"partizipative-forschung\" class=\"section level3 unnumbered\">\r\n<h3>Partizipative Forschung<\/h3>\r\nDer Begriff <em>Partizipative Forschung<\/em> findet im deutschsprachigen Raum erst seit ungef\u00e4hr zehn Jahren im wissenschaftlichen Diskurs Anwendung. Begrifflich und inhaltlich orientiert er sich an den Forschungsans\u00e4tzen <em>Participatory Action Research<\/em> und <em>Community-Based Participatory Research<\/em> der angloamerikanischen Sozial- und Gesundheitswissenschaften <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-vonunger2014\">von Unger, 2014, S. 2<\/a>)<\/span>.\r\n\r\nIm deutschsprachigen Fachdiskurs widmeten sich erste Beitr\u00e4ge der Beschreibung und Einordnung partizipativer Forschungsans\u00e4tze im Kontext qualitativer Forschung <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-bergold2013\">Bergold, 2013<\/a>; <a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-bergold_thomas2010\">Bergold &amp; Thomas, 2010<\/a>)<\/span>. Wenige Jahre sp\u00e4ter folgte das bis in die Gegenwart meist rezipierte Grundlagenwerk zur Einf\u00fchrung in die Theorie und Praxis partizipativer Forschung <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-vonunger2014\">von Unger, 2014<\/a>)<\/span>. Partizipative Forschung wird in diesen Schriften definiert als\r\n<blockquote>\u00abOberbegriff f\u00fcr Forschungsans\u00e4tze, die soziale Wirklichkeit partnerschaftlich erforschen und beeinflussen\u00bb <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-vonunger2014\">von Unger, 2014, S. 1<\/a>)<\/span><\/blockquote>\r\nbzw. als\r\n<blockquote>\u00abVersuch [\u2026], einen Erkenntnisprozess zu initiieren und zu gestalten, an dem im Prinzip alle Personen und Gruppen als aktiv Entscheidende beteiligt werden, die von dem jeweiligen Thema und der Fragestellung betroffen sind\u00bb <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-bergold2013\">Bergold, 2013, S. 2<\/a>)<\/span>.<\/blockquote>\r\nIm Vordergrund dieser Definitionen und weiterf\u00fchrenden Ausformulierungen steht demzufolge die gemeinsame, partnerschaftliche Bearbeitung von Forschungsfragen durch die Personen, die an der untersuchten sozialen Lebenswelt teilhaben. Einig sind sich die Autor*innen des Weiteren bei der Einsch\u00e4tzung, dass es sich bei der partizipativen Forschung um keine eigenst\u00e4ndige Methodik, sondern vielmehr um einen <em>Forschungsstil<\/em>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-bergold_thomas2010\">Bergold &amp; Thomas, 2010, S. 333<\/a>)<\/span> handelt, der sich \u00abin hohem Ma\u00dfe durch Kontextualit\u00e4t und Flexibilit\u00e4t auszeichnet\u00bb <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-vonunger2014\">von Unger, 2014, S. 1<\/a>)<\/span>. Forschungsmethodisch bietet dieser Forschungsstil Spielraum f\u00fcr vielf\u00e4ltige Untersuchungsdesigns \u2013 und ist durch eine besonderen N\u00e4he zu qualitativen Verfahren gekennzeichnet.\r\n\r\nPartizipative Forschung relativiert den Anspruch auf Objektivit\u00e4t und Wertfreiheit in der Wissenschaft und versteht sich als wertebasierte Forschung, die insbesondere das Ziel des <em>Empowerments<\/em> der aus den fokussierten Lebenswelten stammenden Mitforschenden verfolgt. Sie zeichnet sich durch eine <em>doppelte Zielsetzung<\/em>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-vonunger2014\">von Unger, 2014, S. 34<\/a>)<\/span>, indem sie einerseits Erkenntnisse \u00fcber soziale Wirklichkeiten generieren m\u00f6chte, andererseits die Entwicklung von Handlungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine Ver\u00e4nderung dieser sozialen Wirklichkeiten anstrebt.\r\n\r\nDie Form der Beteiligung der Mitforschenden im Forschungsprozess ist gem\u00e4ss der aktuellen Fachdiskussion ein zentrales Kriterium f\u00fcr die partizipative Ausrichtung eines Projektes. Die Anwendung des Stufenmodells der Partizipation nach <span class=\"citation\"><a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-wright_etal2010\">Wright, von Unger und Block<\/a><\/span>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-wright_etal2010\">2010<\/a>)<\/span> bietet diesbez\u00fcglich eine gegenw\u00e4rtig vielfach zitierte Orientierungshilfe (Abb. <a href=\"#figure-1-eckert\">11.1<\/a>). Dieser Einordnung folgend wird erst dann von <em>echter<\/em> Partizipation gesprochen, wenn die Mitglieder der Zielgruppe eine \u00abformale, verbindliche Rolle in der Entscheidungsfindung\u00bb <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-wright_etal2010\">Wright, von Unger &amp; Block, 2010, S. 44<\/a>)<\/span> zugesprochen bekommen, die mindestens durch ein Mitspracherecht bei Entscheidungen bzw. der Projektgestaltung (Stufe 6) gekennzeichnet ist.\r\n<div class=\"figure\"><span id=\"fig:figure-1-eckert\"><\/span>\r\n[caption id=\"figure-1-eckert\" align=\"aligncenter\" width=\"3080\"]<img class=\"size-full wp-image-443\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/forschungsbericht-2021\/wp-content\/uploads\/sites\/26\/2021\/04\/2020_eckert_FIG1_1540x600.png\" alt=\"Stufenmodell der Partizipation [@wright_etal2010, 42]\" width=\"3080\" height=\"1200\" \/> Abbildung 11.1: Stufenmodell der Partizipation <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-wright_etal2010\">Wright, von Unger &amp; Block, 2010, S. 42<\/a>)<\/span>[\/caption]<\/div>\r\n<span class=\"citation\"><a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-bergold_thomas2010\">Bergold und Thomas<\/a><\/span>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-bergold_thomas2010\">2010<\/a>)<\/span> betonen neben der Ber\u00fccksichtigung der G\u00fctekriterien qualitativer Forschung die Notwendigkeit der Formulierung erg\u00e4nzender Kriterien f\u00fcr die partizipative Forschung, die sich wie das vorangehende Stufenmodell auf den Prozess der Partizipation beziehen. Im Einzelnen sind dies:\r\n<ul>\r\n \t<li>der Zugang aller Betroffenen zum Forschungsprozess und den dort anstehenden Entscheidungen<\/li>\r\n \t<li>die Ber\u00fccksichtigung der Stimmen aller Beteiligten<\/li>\r\n \t<li>die Bedeutsamkeit der Erweiterung des Wissens und der gemeinsamen Handlungsf\u00e4higkeit f\u00fcr alle Beteiligten<\/li>\r\n \t<li>die verst\u00e4ndliche Kommunikation sowie Zug\u00e4nglichkeit der Ergebnisse und ihrer Konsequenzen<\/li>\r\n \t<li>die Anschlussf\u00e4higkeit der Ergebnisse an die Praxis und die wissenschaftliche Theorie\r\n<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-bergold_thomas2010\">Bergold &amp; Thomas, 2010, S. 342<\/a>)<\/span><\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"partizipative-forschung-in-der-heil--und-sonderp\u00e4dagogik\" class=\"section level3 unnumbered\">\r\n<h3>Partizipative Forschung in der Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/h3>\r\nIn der Heil- und Sonderp\u00e4dagogik haben im deutschsprachigen Raum in den letzten zwei Jahrzehnten zun\u00e4chst die <em>Disability Studies<\/em> an Bedeutung gewonnen <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-dederich2007\">Dederich, 2007<\/a>; <a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-waldschmidt2006\">Waldschmidt, 2006<\/a>)<\/span>. Dieses Forschungsfeld fokussiert Fragestellungen rund um das Ph\u00e4nomen Behinderung prim\u00e4r aus der Perspektive von Selbstbetroffenen. Dabei bilden die pers\u00f6nlichen Behinderungserfahrungen der Wissenschaftler*innen einen zentralen Ausgangspunkt f\u00fcr die Initiierung und Reflexion der Forschung. Personen mit einer Behinderung sind in diesem Sinne einerseits in einem hohen Masse in Prozesse der Entscheidungsfindung einbezogen, andererseits beschr\u00e4nkt sich die Partizipation vielfach auf die akademische Ebene der Forschung. Die Partizipation der untersuchten Zielgruppe und damit die Einbeziehung ihrer sozialen Wirklichkeit im Sinne des dargestellten Verst\u00e4ndnisses partizipativer Forschung ist in den <em>Disability Studies<\/em> vielfach gegeben, sie bildet jedoch keine grundlegende Komponente dieses Forschungsfeldes <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-schuppener_hauser2014\">Schuppener &amp; Hauser, 2014<\/a>)<\/span>.\r\n\r\nEin expliziter Transfer der partizipativen Forschung in heil- und sonderp\u00e4dagogische Kontexte ist in den letzten Jahren im Themenfeld der Forschung mit Menschen mit Lernschwierigkeiten erfolgt. Ersten Publikationen im englischsprachigen Wissenschaftsraum <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-nind2014\">Nind, 2014<\/a>; <a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-walmsley_johnson2003\">Walmsley &amp; Johnson, 2003<\/a>)<\/span> zur <em>Inclusive Research<\/em> als m\u00f6glichem Forschungsansatz f\u00fcr partizipative Forschung <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-vonunger2014\">von Unger, 2014<\/a>)<\/span> folgten im deutschsprachigen Diskurs sowohl Theorieentw\u00fcrfe zur <em>Inklusiven Forschung<\/em> mit Menschen mit Lernschwierigkeiten <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-buchner_etal2016\">Buchner, K\u00f6nig &amp; Schuppener, 2016<\/a>; <a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-hauser2020\">Hauser, 2020<\/a>)<\/span> als auch darauf aufbauende Praxisberichte <span class=\"citation\">(u. a. <a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-seifert2016\">Seifert, 2016<\/a>; <a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-zahnd_egloff2016\">Zahnd &amp; Egloff, 2016<\/a>)<\/span>. Mit der Begriffswahl <em>Inklusive Forschung<\/em> wird ein Anschluss an die englischsprachige Diskussion und ein deutlicher Bezug zur UN-Konvention \u00fcber die Rechte von Menschen mit Behinderung hergestellt.\r\n\r\n<span class=\"citation\"><a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-hauser2020\">Hauser<\/a><\/span>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-hauser2020\">2020<\/a>)<\/span> f\u00fchrt in ihrer empirischen Analyse zum aktuellen Forschungsstand die Begriffe zusammen und entwirft \u00abQualit\u00e4tskriterien Partizipativer und Inklusiver Forschung\u00bb zur Absicherung der Qualit\u00e4t und G\u00fcte der gemeinsamen Forschung mit Menschen mit Lernschwierigkeiten. Diese ordnet sie den folgenden Kategorien zu:\r\n<ul>\r\n \t<li>\u00abKriterien zu den grundlegenden Haltungen Partizipativer und Inklusiver Forschung,<\/li>\r\n \t<li>Kriterien zur Gestaltung des Forschungsprozesses,<\/li>\r\n \t<li>Kriterien f\u00fcr die Zusammenarbeit der Teilnehmenden im Forschungsprozess und<\/li>\r\n \t<li>Kriterien zur Wirkung und Bewertung von Forschungsergebnissen\u00bb <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-hauser2020\">Hauser, 2020, S. 150ff.<\/a>)<\/span><\/li>\r\n<\/ul>\r\nDiese Kriterien f\u00fchrt sie detailliert und theoriegeleitet aus und belegt sie mit empirischen Erkenntnissen. Diese Kriterien bilden eine hilfreiche Grundlage f\u00fcr die Gestaltung und Reflexion partizipativ ausgerichteter Forschungsprojekte \u2013 nicht nur f\u00fcr solche, die gemeinsam mit Menschen mit Lernschwierigkeiten durchgef\u00fchrt werden. Das heilp\u00e4dagogische Grundverst\u00e4ndnis, das sich sowohl durch die Thematisierung von Haltungen wie der Inklusionsorientierung, dem <em>Empowerment<\/em> und der Selbstbestimmung als auch durch spezifische Gestaltungselementen wie die Barrierefreiheit des Forschungsprozesses zeigt, kann vielmehr auf erweiterte Zielgruppen der Heil- und Sonderp\u00e4dagogik \u00fcbertragen werden.\r\n\r\n<\/div>\r\n<div id=\"partizipative-autismusforschung\" class=\"section level3 unnumbered\">\r\n<h3>Partizipative Autismusforschung<\/h3>\r\nDie Entwicklung von partizipativer Autismusforschung l\u00e4sst sich aktuell prim\u00e4r anhand der Aktivit\u00e4ten von neueren Forschungsnetzwerken nachzeichnen. Wissenschaftliche Publikationen sind bislang nur in geringer Zahl anzutreffen. <span class=\"citation\"><a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-jivraj_etal2014\">Jivraj, Sacrey, Newton, Nicholas und Zwaigenbaum<\/a><\/span>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-jivraj_etal2014\">2014<\/a>)<\/span> finden in einem systematischen Review lediglich zwei Studien, in denen Mitforschende mit Autismus den Kriterien partizipativer Forschung entsprechend involviert waren. <span class=\"citation\"><a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-wright_etal2014\">Wright, Wright, Diener und Eaton<\/a> <\/span><span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-wright_etal2014\">2014<\/a>)<\/span> untersuchen Studien zum Thema Autismus hinsichtlich ihrer Einbeziehung der Ans\u00e4tze <em>Community-Based Participatory Research<\/em> und <em>Participatory Action Research<\/em>. Sie fassen zusammen, dass in wissenschaftlichen Publikationen bislang nur wenig direkte Bez\u00fcge zu partizipativen Ans\u00e4tzen zu finden sind, heben in ihrem Res\u00fcmee zugleich die Chancen und Herausforderungen des Einsatzes partizipativer Ans\u00e4tze hervor. Zu \u00e4hnlichen Erkenntnissen kommen <span class=\"citation\"><a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-fletcherwatson_etal2019\">Fletcher-Watson et al.<\/a><\/span>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-fletcherwatson_etal2019\">2019<\/a>)<\/span> in einem Entwurf der partizipativen Autismusforschung. Dieser basiert auf der 2013 publizierten britischen Strategie zur zuk\u00fcnftigen Gestaltung der Autismusforschung, zusammengefasst im Report <em>A Future Made Together<\/em>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-pellicano_etal2013\">Pellicano, Dinsmore &amp; Charman, 2013<\/a>)<\/span>.\r\n\r\n<span class=\"citation\"><a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-fletcherwatson_etal2019\">Fletcher-Watson et al.<\/a><\/span>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-fletcherwatson_etal2019\">2019<\/a>)<\/span> dokumentieren eine Seminarreihe in Grossbritanien, die einen Entwurf f\u00fcr die Zukunft der partizipativen Autismusforschung zum Inhalt und Ziel hatte. Die Seminarreihe wurde von Anfang an von einer Gruppe bestehend aus Forschenden mit und ohne Autismus, Angeh\u00f6rigen, politischen Vertreter*innen und Fachpersonen organisiert, besucht und geleitet. Aus der Seminarreihe resultieren f\u00fcnf Schl\u00fcsselthemen partizipativer Autismusforschung, denen in der Diskussion und Entwicklung zuk\u00fcnftiger Forschungsbem\u00fchungen eine besondere Beachtung zukommen sollte: <em>Respect<\/em>, <em>Authenticity<\/em>, <em>Assumptions<\/em>, <em>Infrastructure<\/em> und <em>Empathy<\/em>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-fletcherwatson_etal2019\">Fletcher-Watson et al., 2019, S. 945ff<\/a>)<\/span>. Ein praxisbezogenes Resultat dieser Seminarreihe ist das <em>Starter Pack for Participatory Autism Research<\/em>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-pellicano_etal2017\">Pellicano, Crane &amp; Gaudion, 2017<\/a>)<\/span>, das konkrete Handlungsempfehlungen f\u00fcr den Einstieg in partizipative Forschungsaktivit\u00e4ten bietet. Auch auf der Umsetzungsebene weisen Forschungsnetzwerke wie PARC (<em>Participatory Autism Research Collective<\/em>), Autistica und CRAE (<em>Centre for research in autism and education<\/em>) auf eine Vorreiterrolle britischer Organisationen hin.\r\n\r\nIm deutschsprachigen Raum sind in den letzten Jahren ebenfalls erste Netzwerke partizipativer Autismusforschung entstanden. Dabei handelt es sich um die bereits 2007 gegr\u00fcndete <em>Autismus-Forschungs-Kooperation<\/em> (AFK) an der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin sowie das <em>Heureka!<\/em> \u2013 <em>Autismusforschungsforum<\/em> an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen.\r\n\r\nDie Autismus-Forschungs-Kooperation definiert sich als Zusammenschluss von Personen mit Autismus und Wissenschaftler*innen, die gemeinsam autismusspezifische Forschungsfragen bearbeiten. Personen mit Autismus sind dabei in die Planung, Durchf\u00fchrung und Auswertung von Projekten gleichwertig involviert. Die Erstellung von forschungsbasierten Informationsmaterialien ist eine weitere Zielsetzung des Netzwerkes. So wurden bislang mehrere Ratgeberbrosch\u00fcren f\u00fcr Menschen mit Autismus sowie eine Checkliste f\u00fcr autismusfreundliche Forschung entworfen.\r\n\r\nDas M\u00fcnchner Autismusforschungsforum versteht sich prim\u00e4r als Plattform f\u00fcr Informationen, Austausch und Aufkl\u00e4rung \u00fcber Autismus und richtet sich an interessierte Personen mit und ohne Autismus. Partizipative Forschungsprojekte werden zum einen durch die Vernetzung verschiedener Zielgruppen unterst\u00fctzt, zum anderen durch den partizipativ zusammengesetzten Beirat des Forschungsforums initiiert.\r\n\r\n<\/div>\r\n<div id=\"partizipative-autismusforschung-an-der-interkantonalen-hochschule-f\u00fcr-heilp\u00e4dagogik-in-z\u00fcrich\" class=\"section level3 unnumbered\">\r\n<h3>Partizipative Autismusforschung an der Interkantonalen Hochschule f\u00fcr Heilp\u00e4dagogik in Z\u00fcrich<\/h3>\r\nSeit dem Jahr 2010 ist das Thema Autismus ein Forschungsfeld der HfH. Bisherige Projekte widmeten sich insbesondere den Themenschwerpunkten \u00abAutismus und Schule\u00bb, \u00abAutismus in der Schweiz\u00bb sowie \u00abKommunikationsf\u00f6rderung bei Autismus\u00bb. In diesen Projekten wurden in den untersuchten Lebenswelten und Arbeitsfeldern involvierte Personen in vielf\u00e4ltiger Form einbezogen. Angefangen bei schriftlichen und m\u00fcndlichen Befragungen von Lehrpersonen zu den Gelingensfaktoren schulischer F\u00f6rderung \u00fcber Interviews mit Eltern zur famili\u00e4ren Lebenssituation bis hin zur \u00dcberpr\u00fcfung von Untersuchungsinstrumenten hinsichtlich ihrer Autismusfreundlichkeit durch Selbstbetroffene sind Beispiele f\u00fcr angewandte Methoden, die zur Erweiterung der Forschungsperspektiven um die Sichtweise betroffener Personen genannt werden k\u00f6nnen. Gem\u00e4ss des Stufenmodells der Partizipation <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-wright_etal2010\">Wright, von Unger &amp; Block, 2010<\/a>)<\/span> bewegen sich diese prim\u00e4r auf den Ebenen Anh\u00f6rung (Stufe 4) und Einbeziehung (Stufe 5), die den Vorstufen der Partizipation zugeordnet werden. Neuere Projekte zielen nun auf eine Erweiterung der partizipativen Ausrichtung der Autismusforschung ab. Im Folgenden werden drei aktuelle Projekte skizziert und diskutiert.\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"projekt-1-asperger-syndrom-und-hochfunktionaler-autismus-im-schulalter-eine-analyse-des-unterst\u00fctzungsbedarfs-aus-einer-ressourcenorientierten-perspektive\" class=\"section level2 unnumbered\">\r\n<h2>Projekt 1: Asperger-Syndrom und hochfunktionaler Autismus im Schulalter \u2013 eine Analyse des Unterst\u00fctzungsbedarfs aus einer ressourcenorientierten Perspektive<\/h2>\r\nDer Ausgangspunkt dieses Projektes war das zunehmend diskutierte Spannungsfeld der angemessenen Einordnung der Autismus-Spektrum-St\u00f6rung zwischen den Polen Problemfokussierung und Ressourcenorientierung. Mit dieser Diskussion einher geht die Frage nach der Festlegung von allgemeinen Behandlungsnotwendigkeiten und -empfehlungen auf der einen Seite und der Akzeptanz von Vielfalt, Individualit\u00e4t und Autonomie auf der anderen Seite. So stehen sich in der Fachdiskussion zwei Positionen teilweise kontr\u00e4r gegen\u00fcber und ihre Erg\u00e4nzungsbed\u00fcrftigkeit wird diskutiert: die Fokussierung auf evidenzbasierte Interventionen und die Orientierung an personenzentrierten, partizipativ ausgerichteten F\u00f6rderplanungen, z. B. in Anlehnung an die <em>International Classification of Functioning, Disability and Health<\/em> (ICF). Eine Zusammenf\u00fchrung des Leitgedankens der Wirksamkeit von Interventionen mit den Leitideen der Teilhabe sowie der F\u00f6rderung von Wohlbefinden und Lebensqualit\u00e4t ist dabei h\u00e4ufig eine Herausforderung.\r\n\r\nVor diesem Hintergrund fokussierte das Forschungsprojekt die Analyse des Unterst\u00fctzungsbedarfs von Kindern und Jugendlichen mit Autismus prim\u00e4r aus der Perspektive von Selbstbetroffenen. Das Projekt begrenzte sich auf Personen ohne eine kognitive Beeintr\u00e4chtigung, diagnostisch mit den Begriffen Asperger-Syndrom und hochfunktionaler Autismus assoziiert.\r\n\r\nDem Projekt zugrunde lagen neben der Analyse des wissenschaftlichen Diskurses langj\u00e4hrige Praxiserfahrungen sowie zahlreiche Gelegenheiten des inhaltlichen Austauschs mit Selbstbetroffenen, Angeh\u00f6rigen und Fachpersonen, die in die Begleitung und F\u00f6rderung der Zielgruppe involviert waren.\r\n\r\nEin erster Forschungsschritt war die Diskussion der Projektplanung und -inhalte mit Expert*innen in eigener Sache in der Form von Gespr\u00e4chen mit Fachpersonen mit dem Asperger-Syndrom. In diesen Gespr\u00e4chen wurden die forschungsleitende Fragestellung und der Projektaufbau vorgestellt und diskutiert. Die Offenheit f\u00fcr eine inhaltliche und methodische Adaption des weiteren Vorgehens spielte dabei eine wichtige Rolle. Aus den Gespr\u00e4chen resultierte eine Anpassung der Fragestellung hin zu einer st\u00e4rkeren Fokussierung der Erfassung individueller Ressourcen als Grundlage f\u00fcr die Beschreibung des pers\u00f6nlichen Unterst\u00fctzungsbedarfs. Des Weiteren konnten aus den Gespr\u00e4chen eine inhaltliche Pr\u00e4zisierung und eine Erweiterung der folgenden Schritte abgeleitet werden. Auf der methodischen Ebene konnte die Anregung der Einbeziehung einer gr\u00f6sseren Personengruppe von Selbstbetroffenen mittels einer schriftlichen Befragung aufgenommen werden.\r\n\r\nErg\u00e4nzend zu diesen Gespr\u00e4chen fand ein Fokusgruppengespr\u00e4ch mit Fachpersonen statt, die in der therapeutischen Begleitung von Kindern und Jugendlichen mit Autismus und ihren Angeh\u00f6rigen t\u00e4tig sind. Aus den zusammengetragenen Erkenntnissen der Gespr\u00e4che wurde in einem Folgeschritt die dort angeregte schriftliche Befragung von Selbstbetroffenen zu ihrer subjektiven Einsch\u00e4tzung der Erhebung von Ressourcen und Unterst\u00fctzungsbedarfen konzipiert. Die Ergebnisse dieser Befragung mit qualitativen und quantitativen Anteilen befinden sich aktuell in der Auswertung.\r\n<div id=\"diskussion-der-partizipativen-ausrichtung-des-projektes\" class=\"section level3 unnumbered\">\r\n<h3>Diskussion der partizipativen Ausrichtung des Projektes<\/h3>\r\nEine Einordnung des Forschungsprojektes auf den Stufen der Partizipation kann auf der Ebene der Mitbestimmung als erste Stufe der Partizipation erfolgen. Mit der fr\u00fchzeitigen Durchf\u00fchrung von Gespr\u00e4chen mit den Expert*innen in eigener Sache wurde von Beginn an eine inhaltliche Einflussnahme sowie ein Mitspracherecht f\u00fcr die weitere Projektgestaltung intendiert und umgesetzt. Kritisch angemerkt werden kann dabei sicherlich die Frage der formalen Absicherung der Mitwirkung an der Entscheidungsfindung, wie sie <span class=\"citation\"><a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-wright_etal2010\">Wright, von Unger und Block<\/a> (<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-wright_etal2010\">2010<\/a>)<\/span> als Element der Partizipation benennen. Eine weitere Grenze zeigt sich dar\u00fcber hinaus in der nur indirekten Einbeziehung der Perspektive von Betroffenen in den Projektentwurf. Damit verbunden ist sicherlich die Erkenntnis, dass sowohl der Zeitpunkt als auch die Intensit\u00e4t der Partizipation innerhalb des Forschungsteams fr\u00fchzeitig und differenziert durchdacht werden muss, wenn eine weitgehende Partizipation erreicht werden m\u00f6chte.\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"projekt-2-elternbefragung-schule-und-autismus-was-k\u00f6nnen-wir-aus-der-coronakrise-lernen\" class=\"section level2 unnumbered\">\r\n<h2>Projekt 2: Elternbefragung \u00abSchule und Autismus \u2013 was k\u00f6nnen wir aus der Coronakrise lernen?\u00bb<\/h2>\r\nDie Initiierung dieses Forschungsprojektes erfolgte noch w\u00e4hrend der Schulschliessungen im Rahmen der durch die Coronakrise beschlossenen ausserordentlichen Lage in der Schweiz. In einer Gespr\u00e4chsrunde des Interessenverbandes <em>autismus deutsche schweiz<\/em>, an der Fachpersonen und Eltern von Kindern mit Autismus teilnahmen, wurden der Bedarf und die Chancen einer Analyse der aktuellen Situation hinsichtlich der Folgen der Schulschliessungen f\u00fcr die Lernenden mit Autismus und ihre Angeh\u00f6rigen diskutiert. Als Konsequenz dieser \u00dcberlegungen entstand die Konzipierung einer Elternbefragung durch ein Forschungsteam, bestehend aus einer Mutter von Kindern mit Autismus sowie dem Autor dieses Beitrags. \u00dcber die Vernetzung durch mehrere autismusspezifische Elternforen konnten zudem die Gedanken und Fragen weiterer in die Themenstellung unmittelbar involvierter Personen von Beginn an in den Entwurf der Befragung einbezogen werden.\r\n\r\nDie Inhalte und die Struktur der Onlinebefragung wurden in einem gemeinsamen Diskurs entwickelt, in den sowohl die aktuelle wissenschaftliche Diskussion zum Themenfeld <em>Autismus und Schule<\/em> als auch die Erfahrungsberichte selbstbetroffener Eltern einflossen. So wurde der anfangs fokussierte Themenschwerpunkt <em>Erleben der Schulschliessungen und der schulischen F\u00f6rderung im famili\u00e4ren Rahmen<\/em> aus der Perspektive der Eltern um weitere Inhalte erweitert. Dazu geh\u00f6ren eine erweiterte Betrachtung der schulischen Situation vor dem Lockdown und der explizite Blick auf den Transfer der neu gesammelten Erfahrungen auf die zuk\u00fcnftige Gestaltung schulischer F\u00f6rderung von Kindern und Jugendlichen mit Autismus anhand von ausformulierten W\u00fcnschen und Empfehlungen. Die Perspektive der Lernenden wurde indirekt \u00fcber Fragen an die Eltern zum vermuteten Erleben der Situation aus der Sicht der Kinder und Jugendlichen ber\u00fccksichtigt.\r\n\r\nAn der im Fr\u00fchsommer 2020 gestarteten Onlinebefragung nahmen insgesamt 246 Eltern teil, die mitwirkende des Forschungsteams blieb in der Rolle der unabh\u00e4ngigen Beobachterin. Die Auswertung des Fragebogens, der \u00fcberwiegend aus geschlossenen, erg\u00e4nzt um einzelne offene Fragen besteht, erfolgt anhand deskriptiver Statistik sowie einer kategoriengeleiteten Inhaltsanalyse. Sowohl die quantitativen als auch die qualitativen Analysen werden vom Forschungsteam durchgef\u00fchrt und im regelm\u00e4ssigen Austausch hinsichtlich notwendiger Anpassungen diskutiert. Ein \u00e4hnliches Vorgehen ist f\u00fcr die anstehenden Auswertungen und Publikationen vorgesehen.\r\n<div id=\"diskussion-der-partizipativen-ausrichtung-des-projektes-1\" class=\"section level3 unnumbered\">\r\n<h3>Diskussion der partizipativen Ausrichtung des Projektes<\/h3>\r\nDer Ausgangspunkt dieses Projektes ist die Definition der famili\u00e4ren Situation und der elterlichen Verantwortung f\u00fcr die schulische F\u00f6rderung w\u00e4hrend der Schulschliessungen als untersuchte <em>soziale Wirklichkeit<\/em>. Auf dieser Grundannahme basierend sind die Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Autismus die prim\u00e4ren Akteure bez\u00fcglich der Forschungsfragen. Aus der Perspektive partizipativer Forschung ist demzufolge eine Entscheidungsmacht (Stufe 8) gem\u00e4ss dem Stufenmodell der Partizipation von Beginn an gegeben. Dies zeigt sich durch die durchg\u00e4ngige partnerschaftliche Mitwirkung von Eltern: Sie waren involviert bei der Initiierung des Forschungsvorhabens, bei der Entwicklung der Fragestellungen, bei der Konzipierung des methodischen Vorgehens, bei der Auswertung der Daten und der Publikation der gewonnenen Erkenntnisse.\r\n\r\nEin Diskussionspunkt, der trotz der ausgepr\u00e4gten partizipativen Elemente des Projektes betrachtet werden kann, ist die Frage nach der Definition des involvierten Personenkreises des untersuchten Themenkontextes. Wenngleich die vorgestellte Untersuchung eindeutig die Perspektive der Eltern fokussiert, liesse sich die Bedeutsamkeit der Ber\u00fccksichtigung weiterer Personen diskutieren, die sich an der schulischen F\u00f6rderung w\u00e4hrend der Schulschliessungen beteiligten. F\u00fcr den allgemeinen Diskurs zur partizipativen Forschung kann aus diesen Gedanken die Notwendigkeit einer gezielten Auseinandersetzung mit den relevanten Zielgruppen der Partizipation im jeweiligen Untersuchungskontext abgeleitet werden.\r\n\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"projekt-3-partizipatives-forschungsnetzwerk-autismus-in-der-schweiz-pfau\" class=\"section level2 unnumbered\">\r\n<h2>Projekt 3: Partizipatives Forschungsnetzwerk Autismus in der Schweiz (PFAU)<\/h2>\r\nMit der Zielsetzung, partizipative Autismusforschung in der Schweiz verst\u00e4rkt zu etablieren, wurde im Sp\u00e4tsommer 2020 durch Mitarbeitende der HfH in Kooperation mit einem Psychologen, der das Asperger-Syndrom hat, ein partizipatives Forschungsnetzwerk initiiert. Dieses strebt prim\u00e4r an, zuk\u00fcnftige Forschungsprojekte von Beginn an auf einer hohen Stufe der Partizipation entwickeln und realisieren zu k\u00f6nnen. Des Weiteren bietet es eine Plattform f\u00fcr die Anh\u00f6rung, Einbeziehung und wo immer m\u00f6glich die Mitbestimmung von Menschen mit Autismus in Forschungsprojekte, die vom Netzwerk selber oder von kooperierenden Wissenschaftler*innen entwickelt werden. Zudem ist eine beratende Rolle der im Forschungsnetzwerk Mitwirkenden f\u00fcr externe Projektentwicklungen geplant.\r\n\r\nIn einem ersten Schritt wurden \u00fcber den Interessensverband <em>autismus deutsche schweiz<\/em> Personen mit Autismus als Expert*innen in eigener Sache angeschrieben, \u00fcber die geplanten Inhalte des Forschungsnetzwerks informiert und um m\u00f6gliche Interessensbekundungen gebeten. Mehr als 80 Personen meldeten sich auf diese Anfrage und waren bereit, mitzuwirken. Dabei wurde unterschieden nach dem Interesse an der Entwicklung von Forschungsthemen und -ideen (81.6%), dem Interesse an der Mitwirkung bei der Durchf\u00fchrung von Forschungsprojekten (83.3%) sowie nach der Bereitschaft zur Teilnahme an schriftlichen (98.8%) oder m\u00fcndlichen Befragungen (90.6%). Zudem konnten die angeschriebenen Personen eigene Ideen f\u00fcr Forschungsthemen benennen, die aus ihrer Perspektive relevant sind. Aus den zahlreichen Angaben wurden von den Initiator*innen anhand einer qualitativen Auswertung zehn inhaltliche Kategorien abgeleitet, die als Basis f\u00fcr zuk\u00fcnftige Diskussionen im Forschungsnetzwerk dienen.\r\n\r\nDas <em>Partizipative Forschungsnetzwerks Autismus in der Schweiz<\/em> (PFAU) befindet sich nach diesen ersten Schritten nun in einer Aufbauphase, die von Beginn an massgeblich durch die Mitwirkenden gestaltet werden soll. Aus der Perspektive der Initiator*innen stehen als n\u00e4chste Schritte die gemeinsame Suche nach angemessenen Organisationsformen des Forschungsnetzwerks sowie die Schaffung einer Kommunikationsplattform f\u00fcr den Austausch \u00fcber bestehende Projekte und Projektideen f\u00fcr die Zukunft im Vordergrund. Weitere relevante Diskussionsthemen k\u00f6nnen die Gr\u00fcndung von Themengruppen zu einzelnen inhaltlichen Forschungsschwerpunkten sowie die Einbeziehung von Fachpersonen und Angeh\u00f6rigen sein.\r\n\r\nMit der Entwicklung des Forschungsnetzwerks ist der Gedanke verbunden, die Chancen der <em>doppelten Zielsetzung<\/em>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-vonunger2014\">von Unger, 2014, S. 34<\/a>)<\/span> partizipativer Forschung zunehmend in die Praxis \u00fcbertragen zu k\u00f6nnen. Dies bedeutet, sowohl neues Wissen \u00fcber autismusspezifische Fragestellungen zu generieren als auch die Handlungsoptionen der von diesen Fragestellungen betroffenen Personen \u2013 Selbstbetroffene, Angeh\u00f6rige oder Fachpersonen \u2013 erweitern zu k\u00f6nnen.\r\n\r\n<\/div>\r\n<div id=\"fazit-2\" class=\"section level2 unnumbered\">\r\n<h2>Fazit<\/h2>\r\nPartizipative Autismusforschung kann gegenw\u00e4rtig zugleich als an Bedeutung gewinnender Forschungsstil wie auch als Entwicklungsaufgabe und Herausforderung verstanden werden. Im Vordergrund sollte stehen, vermehrt den Schritt von der vielfach bew\u00e4hrten Anh\u00f6rung und Einbeziehung von Menschen mit Autismus hin zur aktiven Partizipation in Entwicklungs- und Entscheidungsprozessen konsequent zu verfolgen.\r\n\r\nIm Kontext institutioneller Prozesse der Projektentwicklung kann dieser Schritt die \u00dcberwindung einzelner formaler H\u00fcrden notwendig machen, vor allem verlangt er jedoch ein fr\u00fchzeitiges Mitdenken und Analysieren partizipativer Forschungsoptionen von neuen Projektideen. Ein partizipatives Forschungsnetzwerk kann mit der Initiierung eigener Projekte sowie der Bereitstellung von Beratungs- und Mitwirkungsangeboten in diesem Kontext einen wichtigen Beitrag f\u00fcr die F\u00f6rderung einer Forschung leisten, die die Erfahrungen und Ressourcen von Selbstbetroffenen gewinnbringend ber\u00fccksichtigt.\r\n\r\n<\/div>\r\n<h2>Bibliografie<\/h2>\r\n<p>\r\n<div id=\"refs\" class=\"references csl-bib-body hanging-indent\">\r\n\r\n<div id=\"ref-bergold2013\" class=\"csl-entry\">\r\nBergold, J. (2013). <em>Partizipative Forschung und Forschungsstrategien<\/em>. eNewsletter No. 8. (S. 1\u201310). <span>Wegweiser B\u00fcrgergesellschaften<\/span>. Verf\u00fcgbar unter: <a href=\"http:\/\/www.buergergesellschaft.de\/fileadmin\/pdf\/gastbeitrag_bergold_130510.pdf\">http:\/\/www.buergergesellschaft.de\/fileadmin\/pdf\/gastbeitrag_bergold_130510.pdf<\/a>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"ref-bergold_thomas2010\" class=\"csl-entry\">\r\nBergold, J. &amp; Thomas, S. (2010). Partizipative Forschung. In G. Mey &amp; K. Mruck (Hrsg.), <em>Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie<\/em>. Wiesbaden: Springer VS.\r\n<\/div>\r\n<div id=\"ref-buchner_etal2016\" class=\"csl-entry\">\r\nBuchner, T., K\u00f6nig, O. &amp; Schuppener, S. (2016). <em>Inklusive Forschung: Gemeinsam mit Menschen mit Lernschwierigkeiten forschen<\/em>. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt.\r\n<\/div>\r\n<div id=\"ref-dederich2007\" class=\"csl-entry\">\r\nDederich, M. (2007). <em>K\u00f6rper, Kultur und Behinderung. Eine Einf\u00fchrung in die Disability Studies<\/em>. Bielefeld: Transcript.\r\n<\/div>\r\n<div id=\"ref-fletcherwatson_etal2019\" class=\"csl-entry\">\r\nFletcher-Watson, S., Adams, J., Brook, K., Charman, T., Crane, L., Cusack, J. et al. (2019). Making the future together: Shaping autism research through meaningful participation. <em>Autism<\/em>, <em>23<\/em>, 943\u2013953. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/1362361318786721\">https:\/\/doi.org\/10.1177\/1362361318786721<\/a>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"ref-hauser2020\" class=\"csl-entry\">\r\nHauser, M. (2020). <em>Qualit\u00e4t und G\u00fcte im gemeinsamen Forschen mit Menschen mit Lernschwierigkeiten<\/em>. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt.\r\n<\/div>\r\n<div id=\"ref-jivraj_etal2014\" class=\"csl-entry\">\r\nJivraj, J., Sacrey, L.-A., Newton, A., Nicholas, D. &amp; Zwaigenbaum, L. (2014). Assessing the influence of researcher\u2013partner involvement on the process and outcomes of participatory research in autism spectrum disorder and neurodevelopmental disorders: A scoping review. <em>Autism<\/em>, <em>18<\/em>. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/1362361314539858\">https:\/\/doi.org\/10.1177\/1362361314539858<\/a>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"ref-nind2014\" class=\"csl-entry\">\r\nNind, M. (2014). <em>What is Inclusive Research?<\/em> London: Bloomsbury Academic.\r\n<\/div>\r\n<div id=\"ref-pellicano_etal2017\" class=\"csl-entry\">\r\nPellicano, E., Crane, L. &amp; Gaudion, K. (2017). <em>Participatory Autism Research: A Starterpack<\/em>. London: University of London, Institute of Education.\r\n<\/div>\r\n<div id=\"ref-pellicano_etal2013\" class=\"csl-entry\">\r\nPellicano, L., Dinsmore, A. &amp; Charman, T. (2013). <em>A Future Made Together: Shaping Autism Research in the UK<\/em>. London: University of London, Institute of Education.\r\n<\/div>\r\n<div id=\"ref-schuppener_hauser2014\" class=\"csl-entry\">\r\nSchuppener, S. &amp; Hauser, M. (2014). Empirische Forschung mit Menschen, die als geistig behindert gelten. Basisvariablen und methodische Zug\u00e4nge aus Sicht der Partizipativen Forschung. <em>Behindertenp\u00e4dagogik<\/em>, <em>3<\/em>, 233\u2013250.\r\n<\/div>\r\n<div id=\"ref-seifert2016\" class=\"csl-entry\">\r\nSeifert, M. (2016). \u00abLeben im Quartier\u00bb \u2013 Menschen mit Lernschwierigkeiten als AkteurInnen im Kontext eines teilhabeorientierten Forschungsprojektes. In T. Buchner, O. K\u00f6nig &amp; S. Schuppener (Hrsg.), <em>Inklusive Forschung: Gemeinsam mit Menschen mit Lernschwierigkeiten forschen<\/em> (S. 125\u2013136). Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt.\r\n<\/div>\r\n<div id=\"ref-vonunger2014\" class=\"csl-entry\">\r\nvon Unger, H. (2014). <em>Partizipative Forschung. Einf\u00fchrung in die Forschungspraxis<\/em>. Wiesbaden: Spinger VS.\r\n<\/div>\r\n<div id=\"ref-waldschmidt2006\" class=\"csl-entry\">\r\nWaldschmidt, A. (2006). Disability Studies \u2013 Konturen einer neuen Forschungslandschaft. <em>Gemeinsam leben<\/em>, <em>14<\/em>, 67\u201374.\r\n<\/div>\r\n<div id=\"ref-walmsley_johnson2003\" class=\"csl-entry\">\r\nWalmsley, J. &amp; Johnson, K. (2003). <em>Inclusive research with people with learning disabilities. Past, present, and futures<\/em>. Philadelphia, PA &amp; London: J. Kingsley Publishers.\r\n<\/div>\r\n<div id=\"ref-wright_etal2014\" class=\"csl-entry\">\r\nWright, C. A., Wright, S. D., Diener, M. L. &amp; Eaton, J. (2014). Autism spectrum disorder and the applied collaborative approach: a review of community based participatory research and participatory action research. <em>Journal of Autism<\/em>, <em>1<\/em>, 1\u201311. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.7243\/2054-992X-1-1\">https:\/\/doi.org\/10.7243\/2054-992X-1-1<\/a>\r\n<\/div>\r\n<div id=\"ref-wright_etal2010\" class=\"csl-entry\">\r\nWright, M. T., von Unger, H. &amp; Block, M. (2010). Partizipation der Zielgruppe in der Gesundheitsf\u00f6rderung und Pr\u00e4vention. In M.T. Wright (Hrsg.), <em>Partizipative Qualit\u00e4tsentwicklung in der Gesundheitsf\u00f6rderung und Pr\u00e4vention<\/em> (S. 35\u201352). Bern: Huber.\r\n<\/div>\r\n<div id=\"ref-zahnd_egloff2016\" class=\"csl-entry\">\r\nZahnd, R. &amp; Egloff, B. (2016). Das Forschungsprojekt \u00abLebensgeschichten\u00bb. In T. Buchner, O. K\u00f6nig &amp; S. Schuppener (Hrsg.), <em>Inklusive Forschung: Gemeinsam mit Menschen mit Lernschwierigkeiten forschen<\/em> (S. 137\u2013146). Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt.\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/p>","rendered":"<p>Partizipative Forschung als <em>Forschungsstil<\/em>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-bergold_thomas2010\">Bergold &amp; Thomas, 2010<\/a>)<\/span> hat in den letzten Jahren in den Sozialwissenschaften zunehmend an Bedeutung gewonnen. Sie folgt einer <em>doppelten Zielsetzung<\/em>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-vonunger2014\">von Unger, 2014<\/a>)<\/span>, in dem sie sowohl Erkenntnisse \u00fcber soziale Wirklichkeiten gewinnt als auch zu einer Ver\u00e4nderung von Handlungsoptionen beitragen m\u00f6chte. In der Heil- und Sonderp\u00e4dagogik hat sie eine Erweiterung um den Begriff der <em>Inklusiven Forschung<\/em>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-hauser2020\">Hauser, 2020<\/a>)<\/span> erfahren und orientiert sich verst\u00e4rkt an den Leitideen des <em>Empowerments<\/em> und der <em>Inklusion<\/em>. Im Themenfeld Autismus sind insbesondere im englischsprachigen Raum in den letzten Jahren erste partizipative Projekte entstanden. Dieser Beitrag f\u00fchrt zun\u00e4chst die Grundbegriffe partizipativer Forschung ein, skizziert den Transfer auf heil- und sonderp\u00e4dagogische Kontexte und wirft einen Blick auf den gegenw\u00e4rtigen Stand partizipativer Autismusforschung. Anhand dreier Projekte der Interkantonalen Hochschule f\u00fcr Heilp\u00e4dagogik (HfH) in Z\u00fcrich werden anschliessend aktuelle Wege partizipativer Autismusforschung beleuchtet und diskutiert.<\/p>\n<div id=\"einleitung-7\" class=\"section level2 unnumbered\">\n<h2>Einleitung<\/h2>\n<p>Die wachsende Mitwirkung von Menschen mit Autismus ist in den letzten zwei Jahrzehnten in verschiedenen Bereichen deutlich sichtbar geworden: die Sensibilisierung f\u00fcr ihre besonderen Lebenserfahrungen, Perspektiven und Bed\u00fcrfnisse sowie die (Weiter-)Entwicklung ad\u00e4quater Unterst\u00fctzungsangebote. Eine Vielzahl an Autobiografien, Erfahrungsberichten und Ratgebern aus der Sicht von <em>Expert*innen in eigener Sache<\/em> leistet gegenw\u00e4rtig einen wichtigen Beitrag sowohl zur Aufkl\u00e4rung interessierter Menschen als auch zur Wissens- und Kompetenzerweiterung von Fachpersonen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus zeigt sich die aktive Mitwirkung von Selbstbetroffenen in der Entstehung von mehr Selbsthilfegruppen sowie in Gremien- und Kommissionst\u00e4tigkeiten auf institutioneller und politischer Ebene. Diese Entwicklung folgt der bereits seit l\u00e4ngerer Zeit pr\u00e4senten Mitwirkung von Angeh\u00f6rigen, insbesondere den Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Autismus, die mit ihrem pers\u00f6nlichen Engagement die Gr\u00fcndung von Interessensverb\u00e4nden sowie den Aufbau zahlreicher institutioneller Hilfen initiiert haben.<\/p>\n<p>In der wissenschaftlichen Forschung nehmen Menschen mit Autismus demgegen\u00fcber weiterhin prim\u00e4r die Rolle der untersuchten Zielgruppe ein, d. h. des Forschungsobjektes. Studien zur Situation der Eltern oder der Geschwister von Kindern mit Autismus zeigen, dass dies auch f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen gilt. Wenngleich in der Sozialforschung vermehrt Wert daraufgelegt wird, die Sichtweisen der Betroffenen in den Erkenntnisgewinn einzubeziehen, beispielsweise mit dem Einsatz von schriftlichen oder m\u00fcndlichen Befragungen von Personen mit Autismus oder ihren Angeh\u00f6rigen, kommt dies den Grundgedanken einer partizipativen Forschung h\u00e4ufig nicht sehr nah.<\/p>\n<p>Im folgenden Beitrag werden zun\u00e4chst zentrale Begriffe, Komponenten und Qualit\u00e4tskriterien partizipativer Forschung skizziert und im Kontext der heil- und sonderp\u00e4dagogischen Forschung betrachtet. Anschliessend werden aktuelle Wege partizipativer Autismusforschung beleuchtet und anhand von Projekten der Interkantonalen Hochschule f\u00fcr Heilp\u00e4dagogik (HfH) konkretisiert und diskutiert.<\/p>\n<div id=\"partizipative-forschung\" class=\"section level3 unnumbered\">\n<h3>Partizipative Forschung<\/h3>\n<p>Der Begriff <em>Partizipative Forschung<\/em> findet im deutschsprachigen Raum erst seit ungef\u00e4hr zehn Jahren im wissenschaftlichen Diskurs Anwendung. Begrifflich und inhaltlich orientiert er sich an den Forschungsans\u00e4tzen <em>Participatory Action Research<\/em> und <em>Community-Based Participatory Research<\/em> der angloamerikanischen Sozial- und Gesundheitswissenschaften <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-vonunger2014\">von Unger, 2014, S. 2<\/a>)<\/span>.<\/p>\n<p>Im deutschsprachigen Fachdiskurs widmeten sich erste Beitr\u00e4ge der Beschreibung und Einordnung partizipativer Forschungsans\u00e4tze im Kontext qualitativer Forschung <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-bergold2013\">Bergold, 2013<\/a>; <a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-bergold_thomas2010\">Bergold &amp; Thomas, 2010<\/a>)<\/span>. Wenige Jahre sp\u00e4ter folgte das bis in die Gegenwart meist rezipierte Grundlagenwerk zur Einf\u00fchrung in die Theorie und Praxis partizipativer Forschung <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-vonunger2014\">von Unger, 2014<\/a>)<\/span>. Partizipative Forschung wird in diesen Schriften definiert als<\/p>\n<blockquote><p>\u00abOberbegriff f\u00fcr Forschungsans\u00e4tze, die soziale Wirklichkeit partnerschaftlich erforschen und beeinflussen\u00bb <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-vonunger2014\">von Unger, 2014, S. 1<\/a>)<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>bzw. als<\/p>\n<blockquote><p>\u00abVersuch [\u2026], einen Erkenntnisprozess zu initiieren und zu gestalten, an dem im Prinzip alle Personen und Gruppen als aktiv Entscheidende beteiligt werden, die von dem jeweiligen Thema und der Fragestellung betroffen sind\u00bb <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-bergold2013\">Bergold, 2013, S. 2<\/a>)<\/span>.<\/p><\/blockquote>\n<p>Im Vordergrund dieser Definitionen und weiterf\u00fchrenden Ausformulierungen steht demzufolge die gemeinsame, partnerschaftliche Bearbeitung von Forschungsfragen durch die Personen, die an der untersuchten sozialen Lebenswelt teilhaben. Einig sind sich die Autor*innen des Weiteren bei der Einsch\u00e4tzung, dass es sich bei der partizipativen Forschung um keine eigenst\u00e4ndige Methodik, sondern vielmehr um einen <em>Forschungsstil<\/em>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-bergold_thomas2010\">Bergold &amp; Thomas, 2010, S. 333<\/a>)<\/span> handelt, der sich \u00abin hohem Ma\u00dfe durch Kontextualit\u00e4t und Flexibilit\u00e4t auszeichnet\u00bb <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-vonunger2014\">von Unger, 2014, S. 1<\/a>)<\/span>. Forschungsmethodisch bietet dieser Forschungsstil Spielraum f\u00fcr vielf\u00e4ltige Untersuchungsdesigns \u2013 und ist durch eine besonderen N\u00e4he zu qualitativen Verfahren gekennzeichnet.<\/p>\n<p>Partizipative Forschung relativiert den Anspruch auf Objektivit\u00e4t und Wertfreiheit in der Wissenschaft und versteht sich als wertebasierte Forschung, die insbesondere das Ziel des <em>Empowerments<\/em> der aus den fokussierten Lebenswelten stammenden Mitforschenden verfolgt. Sie zeichnet sich durch eine <em>doppelte Zielsetzung<\/em>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-vonunger2014\">von Unger, 2014, S. 34<\/a>)<\/span>, indem sie einerseits Erkenntnisse \u00fcber soziale Wirklichkeiten generieren m\u00f6chte, andererseits die Entwicklung von Handlungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine Ver\u00e4nderung dieser sozialen Wirklichkeiten anstrebt.<\/p>\n<p>Die Form der Beteiligung der Mitforschenden im Forschungsprozess ist gem\u00e4ss der aktuellen Fachdiskussion ein zentrales Kriterium f\u00fcr die partizipative Ausrichtung eines Projektes. Die Anwendung des Stufenmodells der Partizipation nach <span class=\"citation\"><a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-wright_etal2010\">Wright, von Unger und Block<\/a><\/span>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-wright_etal2010\">2010<\/a>)<\/span> bietet diesbez\u00fcglich eine gegenw\u00e4rtig vielfach zitierte Orientierungshilfe (Abb. <a href=\"#figure-1-eckert\">11.1<\/a>). Dieser Einordnung folgend wird erst dann von <em>echter<\/em> Partizipation gesprochen, wenn die Mitglieder der Zielgruppe eine \u00abformale, verbindliche Rolle in der Entscheidungsfindung\u00bb <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-wright_etal2010\">Wright, von Unger &amp; Block, 2010, S. 44<\/a>)<\/span> zugesprochen bekommen, die mindestens durch ein Mitspracherecht bei Entscheidungen bzw. der Projektgestaltung (Stufe 6) gekennzeichnet ist.<\/p>\n<div class=\"figure\"><span id=\"fig:figure-1-eckert\"><\/span><\/p>\n<figure id=\"figure-1-eckert\" aria-describedby=\"caption-figure-1-eckert\" style=\"width: 3080px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-443\" src=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/forschungsbericht-2021\/wp-content\/uploads\/sites\/26\/2021\/04\/2020_eckert_FIG1_1540x600.png\" alt=\"Stufenmodell der Partizipation [@wright_etal2010, 42]\" width=\"3080\" height=\"1200\" srcset=\"https:\/\/digital.hfh.ch\/forschungsbericht-2021\/wp-content\/uploads\/sites\/26\/2021\/04\/2020_eckert_FIG1_1540x600.png 3080w, https:\/\/digital.hfh.ch\/forschungsbericht-2021\/wp-content\/uploads\/sites\/26\/2021\/04\/2020_eckert_FIG1_1540x600-300x117.png 300w, https:\/\/digital.hfh.ch\/forschungsbericht-2021\/wp-content\/uploads\/sites\/26\/2021\/04\/2020_eckert_FIG1_1540x600-1024x399.png 1024w, https:\/\/digital.hfh.ch\/forschungsbericht-2021\/wp-content\/uploads\/sites\/26\/2021\/04\/2020_eckert_FIG1_1540x600-768x299.png 768w, https:\/\/digital.hfh.ch\/forschungsbericht-2021\/wp-content\/uploads\/sites\/26\/2021\/04\/2020_eckert_FIG1_1540x600-1536x598.png 1536w, https:\/\/digital.hfh.ch\/forschungsbericht-2021\/wp-content\/uploads\/sites\/26\/2021\/04\/2020_eckert_FIG1_1540x600-2048x798.png 2048w, https:\/\/digital.hfh.ch\/forschungsbericht-2021\/wp-content\/uploads\/sites\/26\/2021\/04\/2020_eckert_FIG1_1540x600-65x25.png 65w, https:\/\/digital.hfh.ch\/forschungsbericht-2021\/wp-content\/uploads\/sites\/26\/2021\/04\/2020_eckert_FIG1_1540x600-225x88.png 225w, https:\/\/digital.hfh.ch\/forschungsbericht-2021\/wp-content\/uploads\/sites\/26\/2021\/04\/2020_eckert_FIG1_1540x600-350x136.png 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 3080px) 100vw, 3080px\" \/><figcaption id=\"caption-figure-1-eckert\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 11.1: Stufenmodell der Partizipation <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-wright_etal2010\">Wright, von Unger &amp; Block, 2010, S. 42<\/a>)<\/span><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<p><span class=\"citation\"><a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-bergold_thomas2010\">Bergold und Thomas<\/a><\/span>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-bergold_thomas2010\">2010<\/a>)<\/span> betonen neben der Ber\u00fccksichtigung der G\u00fctekriterien qualitativer Forschung die Notwendigkeit der Formulierung erg\u00e4nzender Kriterien f\u00fcr die partizipative Forschung, die sich wie das vorangehende Stufenmodell auf den Prozess der Partizipation beziehen. Im Einzelnen sind dies:<\/p>\n<ul>\n<li>der Zugang aller Betroffenen zum Forschungsprozess und den dort anstehenden Entscheidungen<\/li>\n<li>die Ber\u00fccksichtigung der Stimmen aller Beteiligten<\/li>\n<li>die Bedeutsamkeit der Erweiterung des Wissens und der gemeinsamen Handlungsf\u00e4higkeit f\u00fcr alle Beteiligten<\/li>\n<li>die verst\u00e4ndliche Kommunikation sowie Zug\u00e4nglichkeit der Ergebnisse und ihrer Konsequenzen<\/li>\n<li>die Anschlussf\u00e4higkeit der Ergebnisse an die Praxis und die wissenschaftliche Theorie<br \/>\n<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-bergold_thomas2010\">Bergold &amp; Thomas, 2010, S. 342<\/a>)<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<div id=\"partizipative-forschung-in-der-heil--und-sonderp\u00e4dagogik\" class=\"section level3 unnumbered\">\n<h3>Partizipative Forschung in der Heil- und Sonderp\u00e4dagogik<\/h3>\n<p>In der Heil- und Sonderp\u00e4dagogik haben im deutschsprachigen Raum in den letzten zwei Jahrzehnten zun\u00e4chst die <em>Disability Studies<\/em> an Bedeutung gewonnen <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-dederich2007\">Dederich, 2007<\/a>; <a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-waldschmidt2006\">Waldschmidt, 2006<\/a>)<\/span>. Dieses Forschungsfeld fokussiert Fragestellungen rund um das Ph\u00e4nomen Behinderung prim\u00e4r aus der Perspektive von Selbstbetroffenen. Dabei bilden die pers\u00f6nlichen Behinderungserfahrungen der Wissenschaftler*innen einen zentralen Ausgangspunkt f\u00fcr die Initiierung und Reflexion der Forschung. Personen mit einer Behinderung sind in diesem Sinne einerseits in einem hohen Masse in Prozesse der Entscheidungsfindung einbezogen, andererseits beschr\u00e4nkt sich die Partizipation vielfach auf die akademische Ebene der Forschung. Die Partizipation der untersuchten Zielgruppe und damit die Einbeziehung ihrer sozialen Wirklichkeit im Sinne des dargestellten Verst\u00e4ndnisses partizipativer Forschung ist in den <em>Disability Studies<\/em> vielfach gegeben, sie bildet jedoch keine grundlegende Komponente dieses Forschungsfeldes <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-schuppener_hauser2014\">Schuppener &amp; Hauser, 2014<\/a>)<\/span>.<\/p>\n<p>Ein expliziter Transfer der partizipativen Forschung in heil- und sonderp\u00e4dagogische Kontexte ist in den letzten Jahren im Themenfeld der Forschung mit Menschen mit Lernschwierigkeiten erfolgt. Ersten Publikationen im englischsprachigen Wissenschaftsraum <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-nind2014\">Nind, 2014<\/a>; <a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-walmsley_johnson2003\">Walmsley &amp; Johnson, 2003<\/a>)<\/span> zur <em>Inclusive Research<\/em> als m\u00f6glichem Forschungsansatz f\u00fcr partizipative Forschung <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-vonunger2014\">von Unger, 2014<\/a>)<\/span> folgten im deutschsprachigen Diskurs sowohl Theorieentw\u00fcrfe zur <em>Inklusiven Forschung<\/em> mit Menschen mit Lernschwierigkeiten <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-buchner_etal2016\">Buchner, K\u00f6nig &amp; Schuppener, 2016<\/a>; <a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-hauser2020\">Hauser, 2020<\/a>)<\/span> als auch darauf aufbauende Praxisberichte <span class=\"citation\">(u. a. <a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-seifert2016\">Seifert, 2016<\/a>; <a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-zahnd_egloff2016\">Zahnd &amp; Egloff, 2016<\/a>)<\/span>. Mit der Begriffswahl <em>Inklusive Forschung<\/em> wird ein Anschluss an die englischsprachige Diskussion und ein deutlicher Bezug zur UN-Konvention \u00fcber die Rechte von Menschen mit Behinderung hergestellt.<\/p>\n<p><span class=\"citation\"><a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-hauser2020\">Hauser<\/a><\/span>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-hauser2020\">2020<\/a>)<\/span> f\u00fchrt in ihrer empirischen Analyse zum aktuellen Forschungsstand die Begriffe zusammen und entwirft \u00abQualit\u00e4tskriterien Partizipativer und Inklusiver Forschung\u00bb zur Absicherung der Qualit\u00e4t und G\u00fcte der gemeinsamen Forschung mit Menschen mit Lernschwierigkeiten. Diese ordnet sie den folgenden Kategorien zu:<\/p>\n<ul>\n<li>\u00abKriterien zu den grundlegenden Haltungen Partizipativer und Inklusiver Forschung,<\/li>\n<li>Kriterien zur Gestaltung des Forschungsprozesses,<\/li>\n<li>Kriterien f\u00fcr die Zusammenarbeit der Teilnehmenden im Forschungsprozess und<\/li>\n<li>Kriterien zur Wirkung und Bewertung von Forschungsergebnissen\u00bb <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-hauser2020\">Hauser, 2020, S. 150ff.<\/a>)<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Kriterien f\u00fchrt sie detailliert und theoriegeleitet aus und belegt sie mit empirischen Erkenntnissen. Diese Kriterien bilden eine hilfreiche Grundlage f\u00fcr die Gestaltung und Reflexion partizipativ ausgerichteter Forschungsprojekte \u2013 nicht nur f\u00fcr solche, die gemeinsam mit Menschen mit Lernschwierigkeiten durchgef\u00fchrt werden. Das heilp\u00e4dagogische Grundverst\u00e4ndnis, das sich sowohl durch die Thematisierung von Haltungen wie der Inklusionsorientierung, dem <em>Empowerment<\/em> und der Selbstbestimmung als auch durch spezifische Gestaltungselementen wie die Barrierefreiheit des Forschungsprozesses zeigt, kann vielmehr auf erweiterte Zielgruppen der Heil- und Sonderp\u00e4dagogik \u00fcbertragen werden.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"partizipative-autismusforschung\" class=\"section level3 unnumbered\">\n<h3>Partizipative Autismusforschung<\/h3>\n<p>Die Entwicklung von partizipativer Autismusforschung l\u00e4sst sich aktuell prim\u00e4r anhand der Aktivit\u00e4ten von neueren Forschungsnetzwerken nachzeichnen. Wissenschaftliche Publikationen sind bislang nur in geringer Zahl anzutreffen. <span class=\"citation\"><a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-jivraj_etal2014\">Jivraj, Sacrey, Newton, Nicholas und Zwaigenbaum<\/a><\/span>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-jivraj_etal2014\">2014<\/a>)<\/span> finden in einem systematischen Review lediglich zwei Studien, in denen Mitforschende mit Autismus den Kriterien partizipativer Forschung entsprechend involviert waren. <span class=\"citation\"><a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-wright_etal2014\">Wright, Wright, Diener und Eaton<\/a> <\/span><span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-wright_etal2014\">2014<\/a>)<\/span> untersuchen Studien zum Thema Autismus hinsichtlich ihrer Einbeziehung der Ans\u00e4tze <em>Community-Based Participatory Research<\/em> und <em>Participatory Action Research<\/em>. Sie fassen zusammen, dass in wissenschaftlichen Publikationen bislang nur wenig direkte Bez\u00fcge zu partizipativen Ans\u00e4tzen zu finden sind, heben in ihrem Res\u00fcmee zugleich die Chancen und Herausforderungen des Einsatzes partizipativer Ans\u00e4tze hervor. Zu \u00e4hnlichen Erkenntnissen kommen <span class=\"citation\"><a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-fletcherwatson_etal2019\">Fletcher-Watson et al.<\/a><\/span>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-fletcherwatson_etal2019\">2019<\/a>)<\/span> in einem Entwurf der partizipativen Autismusforschung. Dieser basiert auf der 2013 publizierten britischen Strategie zur zuk\u00fcnftigen Gestaltung der Autismusforschung, zusammengefasst im Report <em>A Future Made Together<\/em>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-pellicano_etal2013\">Pellicano, Dinsmore &amp; Charman, 2013<\/a>)<\/span>.<\/p>\n<p><span class=\"citation\"><a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-fletcherwatson_etal2019\">Fletcher-Watson et al.<\/a><\/span>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-fletcherwatson_etal2019\">2019<\/a>)<\/span> dokumentieren eine Seminarreihe in Grossbritanien, die einen Entwurf f\u00fcr die Zukunft der partizipativen Autismusforschung zum Inhalt und Ziel hatte. Die Seminarreihe wurde von Anfang an von einer Gruppe bestehend aus Forschenden mit und ohne Autismus, Angeh\u00f6rigen, politischen Vertreter*innen und Fachpersonen organisiert, besucht und geleitet. Aus der Seminarreihe resultieren f\u00fcnf Schl\u00fcsselthemen partizipativer Autismusforschung, denen in der Diskussion und Entwicklung zuk\u00fcnftiger Forschungsbem\u00fchungen eine besondere Beachtung zukommen sollte: <em>Respect<\/em>, <em>Authenticity<\/em>, <em>Assumptions<\/em>, <em>Infrastructure<\/em> und <em>Empathy<\/em>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-fletcherwatson_etal2019\">Fletcher-Watson et al., 2019, S. 945ff<\/a>)<\/span>. Ein praxisbezogenes Resultat dieser Seminarreihe ist das <em>Starter Pack for Participatory Autism Research<\/em>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-pellicano_etal2017\">Pellicano, Crane &amp; Gaudion, 2017<\/a>)<\/span>, das konkrete Handlungsempfehlungen f\u00fcr den Einstieg in partizipative Forschungsaktivit\u00e4ten bietet. Auch auf der Umsetzungsebene weisen Forschungsnetzwerke wie PARC (<em>Participatory Autism Research Collective<\/em>), Autistica und CRAE (<em>Centre for research in autism and education<\/em>) auf eine Vorreiterrolle britischer Organisationen hin.<\/p>\n<p>Im deutschsprachigen Raum sind in den letzten Jahren ebenfalls erste Netzwerke partizipativer Autismusforschung entstanden. Dabei handelt es sich um die bereits 2007 gegr\u00fcndete <em>Autismus-Forschungs-Kooperation<\/em> (AFK) an der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin sowie das <em>Heureka!<\/em> \u2013 <em>Autismusforschungsforum<\/em> an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Die Autismus-Forschungs-Kooperation definiert sich als Zusammenschluss von Personen mit Autismus und Wissenschaftler*innen, die gemeinsam autismusspezifische Forschungsfragen bearbeiten. Personen mit Autismus sind dabei in die Planung, Durchf\u00fchrung und Auswertung von Projekten gleichwertig involviert. Die Erstellung von forschungsbasierten Informationsmaterialien ist eine weitere Zielsetzung des Netzwerkes. So wurden bislang mehrere Ratgeberbrosch\u00fcren f\u00fcr Menschen mit Autismus sowie eine Checkliste f\u00fcr autismusfreundliche Forschung entworfen.<\/p>\n<p>Das M\u00fcnchner Autismusforschungsforum versteht sich prim\u00e4r als Plattform f\u00fcr Informationen, Austausch und Aufkl\u00e4rung \u00fcber Autismus und richtet sich an interessierte Personen mit und ohne Autismus. Partizipative Forschungsprojekte werden zum einen durch die Vernetzung verschiedener Zielgruppen unterst\u00fctzt, zum anderen durch den partizipativ zusammengesetzten Beirat des Forschungsforums initiiert.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"partizipative-autismusforschung-an-der-interkantonalen-hochschule-f\u00fcr-heilp\u00e4dagogik-in-z\u00fcrich\" class=\"section level3 unnumbered\">\n<h3>Partizipative Autismusforschung an der Interkantonalen Hochschule f\u00fcr Heilp\u00e4dagogik in Z\u00fcrich<\/h3>\n<p>Seit dem Jahr 2010 ist das Thema Autismus ein Forschungsfeld der HfH. Bisherige Projekte widmeten sich insbesondere den Themenschwerpunkten \u00abAutismus und Schule\u00bb, \u00abAutismus in der Schweiz\u00bb sowie \u00abKommunikationsf\u00f6rderung bei Autismus\u00bb. In diesen Projekten wurden in den untersuchten Lebenswelten und Arbeitsfeldern involvierte Personen in vielf\u00e4ltiger Form einbezogen. Angefangen bei schriftlichen und m\u00fcndlichen Befragungen von Lehrpersonen zu den Gelingensfaktoren schulischer F\u00f6rderung \u00fcber Interviews mit Eltern zur famili\u00e4ren Lebenssituation bis hin zur \u00dcberpr\u00fcfung von Untersuchungsinstrumenten hinsichtlich ihrer Autismusfreundlichkeit durch Selbstbetroffene sind Beispiele f\u00fcr angewandte Methoden, die zur Erweiterung der Forschungsperspektiven um die Sichtweise betroffener Personen genannt werden k\u00f6nnen. Gem\u00e4ss des Stufenmodells der Partizipation <span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-wright_etal2010\">Wright, von Unger &amp; Block, 2010<\/a>)<\/span> bewegen sich diese prim\u00e4r auf den Ebenen Anh\u00f6rung (Stufe 4) und Einbeziehung (Stufe 5), die den Vorstufen der Partizipation zugeordnet werden. Neuere Projekte zielen nun auf eine Erweiterung der partizipativen Ausrichtung der Autismusforschung ab. Im Folgenden werden drei aktuelle Projekte skizziert und diskutiert.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"projekt-1-asperger-syndrom-und-hochfunktionaler-autismus-im-schulalter-eine-analyse-des-unterst\u00fctzungsbedarfs-aus-einer-ressourcenorientierten-perspektive\" class=\"section level2 unnumbered\">\n<h2>Projekt 1: Asperger-Syndrom und hochfunktionaler Autismus im Schulalter \u2013 eine Analyse des Unterst\u00fctzungsbedarfs aus einer ressourcenorientierten Perspektive<\/h2>\n<p>Der Ausgangspunkt dieses Projektes war das zunehmend diskutierte Spannungsfeld der angemessenen Einordnung der Autismus-Spektrum-St\u00f6rung zwischen den Polen Problemfokussierung und Ressourcenorientierung. Mit dieser Diskussion einher geht die Frage nach der Festlegung von allgemeinen Behandlungsnotwendigkeiten und -empfehlungen auf der einen Seite und der Akzeptanz von Vielfalt, Individualit\u00e4t und Autonomie auf der anderen Seite. So stehen sich in der Fachdiskussion zwei Positionen teilweise kontr\u00e4r gegen\u00fcber und ihre Erg\u00e4nzungsbed\u00fcrftigkeit wird diskutiert: die Fokussierung auf evidenzbasierte Interventionen und die Orientierung an personenzentrierten, partizipativ ausgerichteten F\u00f6rderplanungen, z. B. in Anlehnung an die <em>International Classification of Functioning, Disability and Health<\/em> (ICF). Eine Zusammenf\u00fchrung des Leitgedankens der Wirksamkeit von Interventionen mit den Leitideen der Teilhabe sowie der F\u00f6rderung von Wohlbefinden und Lebensqualit\u00e4t ist dabei h\u00e4ufig eine Herausforderung.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund fokussierte das Forschungsprojekt die Analyse des Unterst\u00fctzungsbedarfs von Kindern und Jugendlichen mit Autismus prim\u00e4r aus der Perspektive von Selbstbetroffenen. Das Projekt begrenzte sich auf Personen ohne eine kognitive Beeintr\u00e4chtigung, diagnostisch mit den Begriffen Asperger-Syndrom und hochfunktionaler Autismus assoziiert.<\/p>\n<p>Dem Projekt zugrunde lagen neben der Analyse des wissenschaftlichen Diskurses langj\u00e4hrige Praxiserfahrungen sowie zahlreiche Gelegenheiten des inhaltlichen Austauschs mit Selbstbetroffenen, Angeh\u00f6rigen und Fachpersonen, die in die Begleitung und F\u00f6rderung der Zielgruppe involviert waren.<\/p>\n<p>Ein erster Forschungsschritt war die Diskussion der Projektplanung und -inhalte mit Expert*innen in eigener Sache in der Form von Gespr\u00e4chen mit Fachpersonen mit dem Asperger-Syndrom. In diesen Gespr\u00e4chen wurden die forschungsleitende Fragestellung und der Projektaufbau vorgestellt und diskutiert. Die Offenheit f\u00fcr eine inhaltliche und methodische Adaption des weiteren Vorgehens spielte dabei eine wichtige Rolle. Aus den Gespr\u00e4chen resultierte eine Anpassung der Fragestellung hin zu einer st\u00e4rkeren Fokussierung der Erfassung individueller Ressourcen als Grundlage f\u00fcr die Beschreibung des pers\u00f6nlichen Unterst\u00fctzungsbedarfs. Des Weiteren konnten aus den Gespr\u00e4chen eine inhaltliche Pr\u00e4zisierung und eine Erweiterung der folgenden Schritte abgeleitet werden. Auf der methodischen Ebene konnte die Anregung der Einbeziehung einer gr\u00f6sseren Personengruppe von Selbstbetroffenen mittels einer schriftlichen Befragung aufgenommen werden.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzend zu diesen Gespr\u00e4chen fand ein Fokusgruppengespr\u00e4ch mit Fachpersonen statt, die in der therapeutischen Begleitung von Kindern und Jugendlichen mit Autismus und ihren Angeh\u00f6rigen t\u00e4tig sind. Aus den zusammengetragenen Erkenntnissen der Gespr\u00e4che wurde in einem Folgeschritt die dort angeregte schriftliche Befragung von Selbstbetroffenen zu ihrer subjektiven Einsch\u00e4tzung der Erhebung von Ressourcen und Unterst\u00fctzungsbedarfen konzipiert. Die Ergebnisse dieser Befragung mit qualitativen und quantitativen Anteilen befinden sich aktuell in der Auswertung.<\/p>\n<div id=\"diskussion-der-partizipativen-ausrichtung-des-projektes\" class=\"section level3 unnumbered\">\n<h3>Diskussion der partizipativen Ausrichtung des Projektes<\/h3>\n<p>Eine Einordnung des Forschungsprojektes auf den Stufen der Partizipation kann auf der Ebene der Mitbestimmung als erste Stufe der Partizipation erfolgen. Mit der fr\u00fchzeitigen Durchf\u00fchrung von Gespr\u00e4chen mit den Expert*innen in eigener Sache wurde von Beginn an eine inhaltliche Einflussnahme sowie ein Mitspracherecht f\u00fcr die weitere Projektgestaltung intendiert und umgesetzt. Kritisch angemerkt werden kann dabei sicherlich die Frage der formalen Absicherung der Mitwirkung an der Entscheidungsfindung, wie sie <span class=\"citation\"><a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-wright_etal2010\">Wright, von Unger und Block<\/a> (<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-wright_etal2010\">2010<\/a>)<\/span> als Element der Partizipation benennen. Eine weitere Grenze zeigt sich dar\u00fcber hinaus in der nur indirekten Einbeziehung der Perspektive von Betroffenen in den Projektentwurf. Damit verbunden ist sicherlich die Erkenntnis, dass sowohl der Zeitpunkt als auch die Intensit\u00e4t der Partizipation innerhalb des Forschungsteams fr\u00fchzeitig und differenziert durchdacht werden muss, wenn eine weitgehende Partizipation erreicht werden m\u00f6chte.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"projekt-2-elternbefragung-schule-und-autismus-was-k\u00f6nnen-wir-aus-der-coronakrise-lernen\" class=\"section level2 unnumbered\">\n<h2>Projekt 2: Elternbefragung \u00abSchule und Autismus \u2013 was k\u00f6nnen wir aus der Coronakrise lernen?\u00bb<\/h2>\n<p>Die Initiierung dieses Forschungsprojektes erfolgte noch w\u00e4hrend der Schulschliessungen im Rahmen der durch die Coronakrise beschlossenen ausserordentlichen Lage in der Schweiz. In einer Gespr\u00e4chsrunde des Interessenverbandes <em>autismus deutsche schweiz<\/em>, an der Fachpersonen und Eltern von Kindern mit Autismus teilnahmen, wurden der Bedarf und die Chancen einer Analyse der aktuellen Situation hinsichtlich der Folgen der Schulschliessungen f\u00fcr die Lernenden mit Autismus und ihre Angeh\u00f6rigen diskutiert. Als Konsequenz dieser \u00dcberlegungen entstand die Konzipierung einer Elternbefragung durch ein Forschungsteam, bestehend aus einer Mutter von Kindern mit Autismus sowie dem Autor dieses Beitrags. \u00dcber die Vernetzung durch mehrere autismusspezifische Elternforen konnten zudem die Gedanken und Fragen weiterer in die Themenstellung unmittelbar involvierter Personen von Beginn an in den Entwurf der Befragung einbezogen werden.<\/p>\n<p>Die Inhalte und die Struktur der Onlinebefragung wurden in einem gemeinsamen Diskurs entwickelt, in den sowohl die aktuelle wissenschaftliche Diskussion zum Themenfeld <em>Autismus und Schule<\/em> als auch die Erfahrungsberichte selbstbetroffener Eltern einflossen. So wurde der anfangs fokussierte Themenschwerpunkt <em>Erleben der Schulschliessungen und der schulischen F\u00f6rderung im famili\u00e4ren Rahmen<\/em> aus der Perspektive der Eltern um weitere Inhalte erweitert. Dazu geh\u00f6ren eine erweiterte Betrachtung der schulischen Situation vor dem Lockdown und der explizite Blick auf den Transfer der neu gesammelten Erfahrungen auf die zuk\u00fcnftige Gestaltung schulischer F\u00f6rderung von Kindern und Jugendlichen mit Autismus anhand von ausformulierten W\u00fcnschen und Empfehlungen. Die Perspektive der Lernenden wurde indirekt \u00fcber Fragen an die Eltern zum vermuteten Erleben der Situation aus der Sicht der Kinder und Jugendlichen ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>An der im Fr\u00fchsommer 2020 gestarteten Onlinebefragung nahmen insgesamt 246 Eltern teil, die mitwirkende des Forschungsteams blieb in der Rolle der unabh\u00e4ngigen Beobachterin. Die Auswertung des Fragebogens, der \u00fcberwiegend aus geschlossenen, erg\u00e4nzt um einzelne offene Fragen besteht, erfolgt anhand deskriptiver Statistik sowie einer kategoriengeleiteten Inhaltsanalyse. Sowohl die quantitativen als auch die qualitativen Analysen werden vom Forschungsteam durchgef\u00fchrt und im regelm\u00e4ssigen Austausch hinsichtlich notwendiger Anpassungen diskutiert. Ein \u00e4hnliches Vorgehen ist f\u00fcr die anstehenden Auswertungen und Publikationen vorgesehen.<\/p>\n<div id=\"diskussion-der-partizipativen-ausrichtung-des-projektes-1\" class=\"section level3 unnumbered\">\n<h3>Diskussion der partizipativen Ausrichtung des Projektes<\/h3>\n<p>Der Ausgangspunkt dieses Projektes ist die Definition der famili\u00e4ren Situation und der elterlichen Verantwortung f\u00fcr die schulische F\u00f6rderung w\u00e4hrend der Schulschliessungen als untersuchte <em>soziale Wirklichkeit<\/em>. Auf dieser Grundannahme basierend sind die Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Autismus die prim\u00e4ren Akteure bez\u00fcglich der Forschungsfragen. Aus der Perspektive partizipativer Forschung ist demzufolge eine Entscheidungsmacht (Stufe 8) gem\u00e4ss dem Stufenmodell der Partizipation von Beginn an gegeben. Dies zeigt sich durch die durchg\u00e4ngige partnerschaftliche Mitwirkung von Eltern: Sie waren involviert bei der Initiierung des Forschungsvorhabens, bei der Entwicklung der Fragestellungen, bei der Konzipierung des methodischen Vorgehens, bei der Auswertung der Daten und der Publikation der gewonnenen Erkenntnisse.<\/p>\n<p>Ein Diskussionspunkt, der trotz der ausgepr\u00e4gten partizipativen Elemente des Projektes betrachtet werden kann, ist die Frage nach der Definition des involvierten Personenkreises des untersuchten Themenkontextes. Wenngleich die vorgestellte Untersuchung eindeutig die Perspektive der Eltern fokussiert, liesse sich die Bedeutsamkeit der Ber\u00fccksichtigung weiterer Personen diskutieren, die sich an der schulischen F\u00f6rderung w\u00e4hrend der Schulschliessungen beteiligten. F\u00fcr den allgemeinen Diskurs zur partizipativen Forschung kann aus diesen Gedanken die Notwendigkeit einer gezielten Auseinandersetzung mit den relevanten Zielgruppen der Partizipation im jeweiligen Untersuchungskontext abgeleitet werden.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"projekt-3-partizipatives-forschungsnetzwerk-autismus-in-der-schweiz-pfau\" class=\"section level2 unnumbered\">\n<h2>Projekt 3: Partizipatives Forschungsnetzwerk Autismus in der Schweiz (PFAU)<\/h2>\n<p>Mit der Zielsetzung, partizipative Autismusforschung in der Schweiz verst\u00e4rkt zu etablieren, wurde im Sp\u00e4tsommer 2020 durch Mitarbeitende der HfH in Kooperation mit einem Psychologen, der das Asperger-Syndrom hat, ein partizipatives Forschungsnetzwerk initiiert. Dieses strebt prim\u00e4r an, zuk\u00fcnftige Forschungsprojekte von Beginn an auf einer hohen Stufe der Partizipation entwickeln und realisieren zu k\u00f6nnen. Des Weiteren bietet es eine Plattform f\u00fcr die Anh\u00f6rung, Einbeziehung und wo immer m\u00f6glich die Mitbestimmung von Menschen mit Autismus in Forschungsprojekte, die vom Netzwerk selber oder von kooperierenden Wissenschaftler*innen entwickelt werden. Zudem ist eine beratende Rolle der im Forschungsnetzwerk Mitwirkenden f\u00fcr externe Projektentwicklungen geplant.<\/p>\n<p>In einem ersten Schritt wurden \u00fcber den Interessensverband <em>autismus deutsche schweiz<\/em> Personen mit Autismus als Expert*innen in eigener Sache angeschrieben, \u00fcber die geplanten Inhalte des Forschungsnetzwerks informiert und um m\u00f6gliche Interessensbekundungen gebeten. Mehr als 80 Personen meldeten sich auf diese Anfrage und waren bereit, mitzuwirken. Dabei wurde unterschieden nach dem Interesse an der Entwicklung von Forschungsthemen und -ideen (81.6%), dem Interesse an der Mitwirkung bei der Durchf\u00fchrung von Forschungsprojekten (83.3%) sowie nach der Bereitschaft zur Teilnahme an schriftlichen (98.8%) oder m\u00fcndlichen Befragungen (90.6%). Zudem konnten die angeschriebenen Personen eigene Ideen f\u00fcr Forschungsthemen benennen, die aus ihrer Perspektive relevant sind. Aus den zahlreichen Angaben wurden von den Initiator*innen anhand einer qualitativen Auswertung zehn inhaltliche Kategorien abgeleitet, die als Basis f\u00fcr zuk\u00fcnftige Diskussionen im Forschungsnetzwerk dienen.<\/p>\n<p>Das <em>Partizipative Forschungsnetzwerks Autismus in der Schweiz<\/em> (PFAU) befindet sich nach diesen ersten Schritten nun in einer Aufbauphase, die von Beginn an massgeblich durch die Mitwirkenden gestaltet werden soll. Aus der Perspektive der Initiator*innen stehen als n\u00e4chste Schritte die gemeinsame Suche nach angemessenen Organisationsformen des Forschungsnetzwerks sowie die Schaffung einer Kommunikationsplattform f\u00fcr den Austausch \u00fcber bestehende Projekte und Projektideen f\u00fcr die Zukunft im Vordergrund. Weitere relevante Diskussionsthemen k\u00f6nnen die Gr\u00fcndung von Themengruppen zu einzelnen inhaltlichen Forschungsschwerpunkten sowie die Einbeziehung von Fachpersonen und Angeh\u00f6rigen sein.<\/p>\n<p>Mit der Entwicklung des Forschungsnetzwerks ist der Gedanke verbunden, die Chancen der <em>doppelten Zielsetzung<\/em>&nbsp;<span class=\"citation\">(<a role=\"doc-biblioref\" href=\"#ref-vonunger2014\">von Unger, 2014, S. 34<\/a>)<\/span> partizipativer Forschung zunehmend in die Praxis \u00fcbertragen zu k\u00f6nnen. Dies bedeutet, sowohl neues Wissen \u00fcber autismusspezifische Fragestellungen zu generieren als auch die Handlungsoptionen der von diesen Fragestellungen betroffenen Personen \u2013 Selbstbetroffene, Angeh\u00f6rige oder Fachpersonen \u2013 erweitern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"fazit-2\" class=\"section level2 unnumbered\">\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Partizipative Autismusforschung kann gegenw\u00e4rtig zugleich als an Bedeutung gewinnender Forschungsstil wie auch als Entwicklungsaufgabe und Herausforderung verstanden werden. Im Vordergrund sollte stehen, vermehrt den Schritt von der vielfach bew\u00e4hrten Anh\u00f6rung und Einbeziehung von Menschen mit Autismus hin zur aktiven Partizipation in Entwicklungs- und Entscheidungsprozessen konsequent zu verfolgen.<\/p>\n<p>Im Kontext institutioneller Prozesse der Projektentwicklung kann dieser Schritt die \u00dcberwindung einzelner formaler H\u00fcrden notwendig machen, vor allem verlangt er jedoch ein fr\u00fchzeitiges Mitdenken und Analysieren partizipativer Forschungsoptionen von neuen Projektideen. Ein partizipatives Forschungsnetzwerk kann mit der Initiierung eigener Projekte sowie der Bereitstellung von Beratungs- und Mitwirkungsangeboten in diesem Kontext einen wichtigen Beitrag f\u00fcr die F\u00f6rderung einer Forschung leisten, die die Erfahrungen und Ressourcen von Selbstbetroffenen gewinnbringend ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<\/div>\n<h2>Bibliografie<\/h2>\n<\/p>\n<div id=\"refs\" class=\"references csl-bib-body hanging-indent\">\n<div id=\"ref-bergold2013\" class=\"csl-entry\">\nBergold, J. (2013). <em>Partizipative Forschung und Forschungsstrategien<\/em>. eNewsletter No. 8. (S. 1\u201310). <span>Wegweiser B\u00fcrgergesellschaften<\/span>. Verf\u00fcgbar unter: <a href=\"http:\/\/www.buergergesellschaft.de\/fileadmin\/pdf\/gastbeitrag_bergold_130510.pdf\">http:\/\/www.buergergesellschaft.de\/fileadmin\/pdf\/gastbeitrag_bergold_130510.pdf<\/a>\n<\/div>\n<div id=\"ref-bergold_thomas2010\" class=\"csl-entry\">\nBergold, J. &amp; Thomas, S. (2010). Partizipative Forschung. In G. Mey &amp; K. Mruck (Hrsg.), <em>Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie<\/em>. Wiesbaden: Springer VS.\n<\/div>\n<div id=\"ref-buchner_etal2016\" class=\"csl-entry\">\nBuchner, T., K\u00f6nig, O. &amp; Schuppener, S. (2016). <em>Inklusive Forschung: Gemeinsam mit Menschen mit Lernschwierigkeiten forschen<\/em>. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt.\n<\/div>\n<div id=\"ref-dederich2007\" class=\"csl-entry\">\nDederich, M. (2007). <em>K\u00f6rper, Kultur und Behinderung. Eine Einf\u00fchrung in die Disability Studies<\/em>. Bielefeld: Transcript.\n<\/div>\n<div id=\"ref-fletcherwatson_etal2019\" class=\"csl-entry\">\nFletcher-Watson, S., Adams, J., Brook, K., Charman, T., Crane, L., Cusack, J. et al. (2019). Making the future together: Shaping autism research through meaningful participation. <em>Autism<\/em>, <em>23<\/em>, 943\u2013953. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/1362361318786721\">https:\/\/doi.org\/10.1177\/1362361318786721<\/a>\n<\/div>\n<div id=\"ref-hauser2020\" class=\"csl-entry\">\nHauser, M. (2020). <em>Qualit\u00e4t und G\u00fcte im gemeinsamen Forschen mit Menschen mit Lernschwierigkeiten<\/em>. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt.\n<\/div>\n<div id=\"ref-jivraj_etal2014\" class=\"csl-entry\">\nJivraj, J., Sacrey, L.-A., Newton, A., Nicholas, D. &amp; Zwaigenbaum, L. (2014). Assessing the influence of researcher\u2013partner involvement on the process and outcomes of participatory research in autism spectrum disorder and neurodevelopmental disorders: A scoping review. <em>Autism<\/em>, <em>18<\/em>. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/1362361314539858\">https:\/\/doi.org\/10.1177\/1362361314539858<\/a>\n<\/div>\n<div id=\"ref-nind2014\" class=\"csl-entry\">\nNind, M. (2014). <em>What is Inclusive Research?<\/em> London: Bloomsbury Academic.\n<\/div>\n<div id=\"ref-pellicano_etal2017\" class=\"csl-entry\">\nPellicano, E., Crane, L. &amp; Gaudion, K. (2017). <em>Participatory Autism Research: A Starterpack<\/em>. London: University of London, Institute of Education.\n<\/div>\n<div id=\"ref-pellicano_etal2013\" class=\"csl-entry\">\nPellicano, L., Dinsmore, A. &amp; Charman, T. (2013). <em>A Future Made Together: Shaping Autism Research in the UK<\/em>. London: University of London, Institute of Education.\n<\/div>\n<div id=\"ref-schuppener_hauser2014\" class=\"csl-entry\">\nSchuppener, S. &amp; Hauser, M. (2014). Empirische Forschung mit Menschen, die als geistig behindert gelten. Basisvariablen und methodische Zug\u00e4nge aus Sicht der Partizipativen Forschung. <em>Behindertenp\u00e4dagogik<\/em>, <em>3<\/em>, 233\u2013250.\n<\/div>\n<div id=\"ref-seifert2016\" class=\"csl-entry\">\nSeifert, M. (2016). \u00abLeben im Quartier\u00bb \u2013 Menschen mit Lernschwierigkeiten als AkteurInnen im Kontext eines teilhabeorientierten Forschungsprojektes. In T. Buchner, O. K\u00f6nig &amp; S. Schuppener (Hrsg.), <em>Inklusive Forschung: Gemeinsam mit Menschen mit Lernschwierigkeiten forschen<\/em> (S. 125\u2013136). Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt.\n<\/div>\n<div id=\"ref-vonunger2014\" class=\"csl-entry\">\nvon Unger, H. (2014). <em>Partizipative Forschung. Einf\u00fchrung in die Forschungspraxis<\/em>. Wiesbaden: Spinger VS.\n<\/div>\n<div id=\"ref-waldschmidt2006\" class=\"csl-entry\">\nWaldschmidt, A. (2006). Disability Studies \u2013 Konturen einer neuen Forschungslandschaft. <em>Gemeinsam leben<\/em>, <em>14<\/em>, 67\u201374.\n<\/div>\n<div id=\"ref-walmsley_johnson2003\" class=\"csl-entry\">\nWalmsley, J. &amp; Johnson, K. (2003). <em>Inclusive research with people with learning disabilities. Past, present, and futures<\/em>. Philadelphia, PA &amp; London: J. Kingsley Publishers.\n<\/div>\n<div id=\"ref-wright_etal2014\" class=\"csl-entry\">\nWright, C. A., Wright, S. D., Diener, M. L. &amp; Eaton, J. (2014). Autism spectrum disorder and the applied collaborative approach: a review of community based participatory research and participatory action research. <em>Journal of Autism<\/em>, <em>1<\/em>, 1\u201311. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.7243\/2054-992X-1-1\">https:\/\/doi.org\/10.7243\/2054-992X-1-1<\/a>\n<\/div>\n<div id=\"ref-wright_etal2010\" class=\"csl-entry\">\nWright, M. T., von Unger, H. &amp; Block, M. (2010). Partizipation der Zielgruppe in der Gesundheitsf\u00f6rderung und Pr\u00e4vention. In M.T. Wright (Hrsg.), <em>Partizipative Qualit\u00e4tsentwicklung in der Gesundheitsf\u00f6rderung und Pr\u00e4vention<\/em> (S. 35\u201352). Bern: Huber.\n<\/div>\n<div id=\"ref-zahnd_egloff2016\" class=\"csl-entry\">\nZahnd, R. &amp; Egloff, B. (2016). Das Forschungsprojekt \u00abLebensgeschichten\u00bb. In T. Buchner, O. K\u00f6nig &amp; S. Schuppener (Hrsg.), <em>Inklusive Forschung: Gemeinsam mit Menschen mit Lernschwierigkeiten forschen<\/em> (S. 137\u2013146). Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt.\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Partizipative Forschung als Forschungsstil&nbsp;(Bergold &amp; Thomas, 2010) hat in den letzten Jahren in den Sozialwissenschaften zunehmend an Bedeutung gewonnen. Sie folgt einer doppelten Zielsetzung&nbsp;(von Unger, 2014), in dem sie sowohl Erkenntnisse \u00fcber soziale Wirklichkeiten gewinnt als auch zu einer Ver\u00e4nderung von Handlungsoptionen beitragen m\u00f6chte. 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